Montag, 20.10., Delhi
20. Oktober 2008



Wie mans macht ist es falsch. Vor 5 Jahren verpasste ich angesichts verschiedener Vorkommnisse im nepalesischen Anapurnaring den Flieger von
Delhi nach Frankfurt. Seinerzeit hatten sich die Maoisten in den Bergen ein Spaesschen erlaubt und uns 36 stunden in einer Huette festhehalten. Das
Ergebnis: Alle Flieger waren weg.

Fuenf Jahre spaeter die Situation war eine gaenzlich andere:

1. Die Maoisten sind jetzt in Nepal an der Regierung und aergern jetzt keine Touristen, sondern ihre eigenen Leute
2. Ich bin erst gar nicht ins Hochgebirge gefahren und
3. Hatte ich diesmal einen Tag Puffer.

Heisst ich habe den Tag in Delhi verbracht, was man sich haette schenken koennen.

Der Flieger von Kathmandu ging um halb 10, was heisst, dass man so schon vier Stunden vorher am Flughafen sein sollte. Denn das Chaos hat einen Namen und jeder der nach Nepal fliegt kennt ihn: Tribhuvan International Airport.

Um halb sieben stehen 2000 Leute vorm Eingang und wollen rein, ein Gedraengle und Geschubse, wie in einem zentralafrikanischen
Fussballstadion, Und das zieht sich ueber 4 Stunden bis zur Gate so hin. Gute Nerven sind da Voraussetzung.

Die mueden Knochen konnte allerdings dann im Flieger wieder aufpaeppeln,denn die indische Jet Airways ist in punkto Service wirklich das gelbe vom Ei.

Rund 13 Stunden habe ich Zeit bis zum Weiterflug, also suche ich erst mal was zum Gepaeck verwahren und dann die Lufthansa, denn fuer den Rueckflug hatte ich weder ein Stueck Papier noch ein Ticket in der Hand. Die Gepaeckaufbewahrung laesst das Schlimmste befuerchten, zwei gelangweilte Inder auf einem Parkpatz jenseits des Airports. Aber hat alles geklappt, wenn man mir nicht noch irgendwo Gras in den Rucksack geschmuggelt hat. Aber ich bin a. kein Spuerhund und b. wissen die ja nicht wo ich hin will. Uns zum Thema Ticket: Um von den so um die 50
Flughafenbueros waren vermutlich 49 da. Die Lufthansa nicht, die war unbekannt verzogen.

Nach langem Hin und her habe ich die Jungs dann doch noch gefunden und bin dann in die Innenstadt von Delhi. Da ich zu Anfang des Urlaubs in Alt Delhi war, jetzt ein kurzer Abstecher nach Neu Delhi. Am Janpath wird gerade ein Film gedreht und ich laufe mitten durch die´Vorstellung. Ein schreiendes Maenchen macht mir auf Indisch, tschuldigung Hindi, aber nicht desto trotz unmissverstaendlich klar, dass fuer mich keine Rolle vorgesehen ist. Ich winke nochmals freundlich in die Kamera und verzichte auf Honorarverhandlungen. Bestimmt bin ich jetzt in einem Bollywood Film , dem Deliher Tatort , Dschihad in the City oder so.

Der Nachmittag verlaeuft dann nach Plan. Ein paar Fotos von der 50 Meter hohen India Gate, den Regierungsgebaeuden und dann gehts noch kurz zu einem Abstecher zu Humayuns Grab. Humayun war ein Mogul aus dem 15. Jahrhundert und liess sich standfesgemaess begraben. Schon der Blick von Eingang ist beeindruckend, von einem Torbogen aus hat man die beste Perspektive. Das Grabmahl befindet sich erhoeht  inmitten von quadratisch angelegten Rasenflaechen.  Eine Art Little Taj Mahal.

Ein unbedingtes muss in der vom Smog zerfressenen Stadt. Damit habe ich inclusive des Trips 2003 nunmehr alle Sehenswuerdigkeiten Delhis
abgefruehstueckt und werde mit Sicherheit hier so schnell nicht mehr auftauchen.

Ein Land, indem die reichsten Milliardaere der Welt wohnen, das aber kein Geld hat zu verhindern, dass ihre Buerger einschliesslich der Besucher dem Abgastod ausgesetzt werden - darauf kann ich verzichten.

Gegen 7 Uhr fahre ich zum Flughafen zurueck und, eine Spezialitaet meinerseits - wieder mal Stgress mit dem indischen Militaer. Wahrend die mir vor fuenf jahren noch mit der MG hinterhergehaechelt sind, habe ich diesmal gewonnen. Der Kasper wollte mich nich in den Flughafen lassen, weil ich zu frueh gekommen bin. Ein boeser Blick und eine unverschaemte Ausrede - und ich war durch.

Happy Holiday und lg an H1.