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Montag, 19. Oktober, Altyn Arasan
Moin, moin aus Karakol.
Heute startet der letzte Tag in Kirgistan und da ich immer noch in Karakol bin, heisst dies erneut Wandern. Das Ziel ist Altyn Arasan, ein Aussichtsplateau auf ca. 3000 Meter mit dem Blick auf den 4260 Meter hohen Pik Palatka. Nach dem ueblichen Gefeilsche mit dem Taxifahrer werde ich die ersten 20 Km zum Eingang des benachbarten Nationalparks gebracht. Das Taxi ist ein Lada von der Sorte , wie er noch aus Urgench bekannt ist. Jedenfalls haben sich hier die kirgisischen Mechaniker mit all ihrer Bastel- und Improvisationskunst ausgetobt. Der Wagen wird wirklich nur noch vom sowjetischem Pattex zusammengehalten. Bevor es richtig losgeht, muessen wir aber noch kurz in die Werkstatt, denn 20 km sind ja jede Menge Holz.
Das was hier als Werkstatt bezeichnet wird, ist eher eine verusste Hoehle, in denen eine bunte Sammlung von Alteisen auf ein zweites Leben im Leib eines Autos wartet. Nach einer halben Stunde gings dann los. Schon nach kurzer Zeit machen sich merkwuerdige Fliehkraefte bemerkbar, die ich sonst nur von Flugzeuglandungen bei starken Boeen auf der Landebahn kenne. Ob es am Auto oder am Zustand des Fahrers liegt, ich weiss es nicht. Einen Zwischenfall gab es dennoch. Dazu muss man wissen, dass kirgisische Strassen mehr von Vier- als von Zweibeinern bevoelkert werden. In diesem Falle waren es Kuehe. Eines der Muh-enden Tiere schleift sich gemuetlich an der Motorhaube des Lada vorbei, hebt den Schwanz und mit der Wucht eines Feuerwehr-C-Rohr-Schlauches kommt die Mahlzeit der letzten Tage mitten auf der Haube des Lada zum Vorschein.
Ich vermute, dass hat sowohl dem Auto als auch dem Fahrer den Rest gegeben. Waehrend der Taxifahrer in bester Rumpelstilzchen Manier um seine Schrottlaube herumspringt, entscheide ich, das bisschen bis zum Nationalpark zu Fuss zu gehen.
Rund 15 km muss ich ueber das Karakol Tal zu einer Hochebene hinauf, welche mit weitlaeufigen Wiesen uebersaet ist. Hier findet man sogar verschiedene Enzian Arten, dunkelgruene Waelder mit spitzen Nadelbaeumen dominieren die Schlucht und ein klares, wildes Baechlein macht das ganze zu einem kleinen Naturerlebnis.
Irgendwann fuert der Weg auf schmalen und geroellhaltigen Pfaden ab einer Hoehe von rund 3500 Meter aufwaerts, was mit meiner Kondition nicht ganz so zusammenpasst. Nass wirds, als ein kleiner Fluss durchwatet werden muss. Lohn der ganzen Muehe: ein herrlicher Ausblick auf den Tien San, allerdings mit nicht ganz so vielen schneebedeckten Gipfeln als erwartet. Denn es ist Oktober und die Wintersaison beginnt erst wieder Ende November.
Der Abstieg geht wesentlich schneller, in rund drei Stunden bin ich mit vereinten Plattfuessen wieder in Karakol. Auf dem Wagen eines Pferdegespanns lege ich die letzten fuenf Kilometer zurueck. Denn wies es im kirgisischen so heisst: Des Mannes Fkuegel sind seine Pferde. Die Kinder des Bauern lachen sich schlospp wegen des fast auf allen Vieren kriechenden Mitteleuropaeers, der da ueber jeden Meter froh ist, den er nicht mehr zu laufen braucht. Wir machen noch einmel kurz Rast beim Hof des Bauern. Die Baeuerin bietet mir ein Glas Stutenmilch an, was ich aber nach einem Augenzwinkern dem Baurn gegenuerber mit einem Flaeschchen Bier tauschen kann. Auch der Bauer scheint froh zu sein, dass er unerwartet ein Bierchen serviert bekommt.
Am Abend stuermt die Miliz ein Lokal, macht sich breit und wird vor allen Gaesten bedient. Den Wink der Bedienung, das Lokal doch zu verlassen, ignoriere ich geflissentlich. Erstens bin ich ausgehungert, zweitens kann ich eh nicht mehr laufen und drittens ist mir vollkommen egal was hier noch passiert. Die Story mir dem Taxifahrer von heute Morgen zu toppen, da muessen sich die Polizisten schon was einfallen lassen. Doch passiert ist gar nichts. Die Miliz hat gesungen und dem Wodka gefroent - business as usual und zum Glueck musste ich keinen mittrinken.
P.S. Der deutsche Kurort ruehmt sich im allgemeinen als Bad oder wenns dann ganz vornehm sein soll, erinnert man sich des roemischen Spa. Der Kirgise macht sichs ganz einfach. Denn Korort heisst auf russisch , na ? KURORT, genau !!! Lg an H1.
| 19. Oktober 2009 |