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Samstag, 17. Oktober, Bishkek - Karakol
Priwjet aus Karakol.
Die Haupstadt Bishkek habe ich LEIDER im Schnelldurchlauf absolviert, zudem ich hier auch noch Bekannte traf. So gab es gestern Abend einen lockeren deutsch-kirgisischen Kultur- und Informtionsaustausch, der auch athmospharisch im Ambiente beider Laender begonnen wurde. Nach der Kultur im kirgisischen Staatstheater zuerst im Steinbraeu, einer Kneipe a la "U Flecku" in Prag. Heisst: Klavier und Violine im Hintergrund, waehrend vorne kraeftig nach deutscher Art gebraut und gekocht wird, spaeter in der Kalinka Bar, wo es dann etwas kirgisischer zuging.
Trotz alledem. Der Samstag liess nur 5 Stunden Zeit, Bishkek zu erkunden, denn am Mittag will ich noch weiter ins Tiensan Gebirge an der chinesischen Grenze.
Was gibts zu Bishkek zu sagen ? Vordergruendig praesentiert sich eine junge, pulsierende, gruene Stadt.Deutlich heimischer als Taschkent und wesentlich angenhmer als Almaty. Sehr sowjetisch gepraegt, aber eben keine gesichts- und geschichtslose Ansammlung von Plattenbauten, sondern vorwiegend Gebaeude des angehenden 20 Jahrhunderts, die teils frisch renoviert sind. Opernhaus und Parlament habe ihren eigenen auch als russischer Kolonialstil bezeichnete Bauweise. Das Schmelzwasser der angrenzenden 4000er, die ich im Morgennebel nur schemenhaft erkennen kann, bewaessert zahllose Alleen und Parks. So erscheint die Stadt eher als ein Park mit einigen Gebaeuden als die uebliche Wohnbebauung mit einigen Parks.
Allerdings sollte man ehrlich sein: Hinter den Einkaufsstrassen wird das Alltagsleben in teils schlecht erhaltenen Bauten deutlich sichtbar. Dies steht in einem deutlichen Kontrast zu dem, was man auf den Strassen beobachtet. Die Anzahl von Mercedes Benz, Audi und anderen Nobelkarossen ist unuebersehbar und dominiert den Verkehr. Nicht nur mit Gebrauchtwagen, sondern tip top in Schuss befindlichen Neufabrikate. Der zentrale Umschlagsplatz fuer Gebrauchtwagen, an dem ich gestern vorbei gefahren bin, haelt locker dem Daimler Auslieferungslager in Untertuerkheim stand. Selbst im tiefsten Gebirge wurde ich gestern nur vom PS-starken Vierraedern deutscher Marken ueberholt. Beruecksichtigt man, dass das erwirtschaftete Bruttosozialprodukt Kirgistans pro Kopf und Jahr 713 US-Dollar in 2007 betrug, kann man sich den Rest denken.
Was solls. Ich schlendere die beiden Hauptboulevards mit dem Alatoo Platz und den vielen Denkmaelern entlang, erwerbe beim POSCHTAMT (so heisst das wirklich) ein paar Marki (Briefmarken) und sichere mir ein Sammeltaxi fuer die Weiterfahrt nach Karakol.
Vorbei geht es am Issyk-Kul-See. Der See ist rund zwoelf mal so gross wie der Bodensee und liegt auf 1500 Meter Hoehe. Nach dem Titicacasee in Peru der zweithoechste See der Welt. Zu Sowjetzeiten war das Nordufer ein beliebtes Erholungsgebiet fuer die russische Nomenklatura, heute gondelt man gemuetlich vorbei. Das Seebad Cholpon Ata hat ungefaehr den Reiz wie der Bad Nauheimer Kurpark. Und ganz im Osten erreichen wir dann bei einer ruhigen und diesmal unspektakulaeren Fahrt die Stadt Karakol. Hier wird deutlich, dass die Kirgisen keine Seefahrer sind. Es sind zunaechst nur noch verrostete Hafenanlagen aus der Sowjetzeit sichtbar. Damals wurden hier Torpedos produziert, heute sehe ich nur Phantom-Fabriken und verfallene Kolchose-Staelle. Die wirtschaftliche Flaute nach dem Zusammenbrich der Sowjetunion macht sich hier bsonders bemerkbar.
Allerdings ist dies nur ein erster Eindruck, denn allzuviel sehe ich auch nicht mehr. Es ist schon dunkel und die Strassenbeleuchtung wie ueberall in Zentralasien mehr oder weniger nicht existent.
Ich packe noch meine Taschenlampe, denn ohne traue ich mich nicht die zwei Blocks vom Hotel ins Cafe Kench zu laufen. Sich bei den Schlagloechern im Dunklen forzubewegen, ist ein halsbrecherisches Abenteuer. Und einen gebrochenen Hals kann ich mir nicht leisten, denn morgen muss ich um 5 uhr raus, dann gehts zum Viehmarkt nach Karakol.
P.S. Wollten Sie schon mal in eine finnische Sauna und sind in einer russischen Banja gelandet. Nein ? Glueck gehabt ! Lg an H1.
| 17. Oktober 2009 |