Freitag, 16. Oktober, Jalalabad - Altai Gebirge - Bishkek



Moin, moin aus Bishkek !!!

Der Abend gestern war doch laenger als geplant. Da in Jalalabad spaetestens um 20 Uhr nicht nur die Buergersteige hochgeklappt werden, sondern auch die Lichter bis auf die wenige Geschaeftsbeleuchtung verschiedener Schuppen ausgehen, versuche ich mich im Dunklen vom Internet Cafe zum Hotel zu ertasten. Keine leichte Aufgabe, denn ich kenne bis dato nur den Bazar der Stadt und habe keine Ahnung, wo ich ueberhaupt bin. In einem Geschaeft kaufe ich mir ein kleines Laempchen, mit dem ich zumindest die Orientierung wiederfinde. Wie einst Haensel und Gretel finde ich dann doch noch ins provisorische nach Hause. Doch der Wunsch nach einem geruhsamen Abend wurde schnell hinfaellig. Im Hotel hatte sich wohl alles versammelt, was sich in der Stadt vor Langeweile nicht mehr aufhalten wollte.
 
Aus dem Garten ertoent laute Discomusik und in der Hotelbar ist es keinen Deut leiser. Neugierig wie ich bin, habe ich bei beiden mal vorbeigeschaut. Im Garten wurde  - mal wieder - Hochzeit gefeiert und die Gesellschaft war schon heftig bei der Sache. Da gab es leider kein Entrinnen. Der Wortschatz ist dann auch relativ eingeschraenkt, man kommt locker mit "dawarisch" und "na sdorowje" aus. Besondere Vorkommnisse hat es auch nicht gegeben, bei solchen  Feiern gilt die Faustregel: Je aelter, desto blauer, desto tiefer unterm Tisch. Ein kleines Vergnuegen, wenn man noch nuechtern ist.

Trotz einiger Kopfschmerzen muss ich heute um 6 Uhr raus. Ueberlandfahrten in Zentralasien werden nicht von langer Hand geplant, man geht zu einem Bus Stop, verhandelt mit einem Taxifahrer und nimmt dann ein Sammeltaxi, wo auch immer das Reiseziel ist. Waehrend ich in Osh die Auswahl unter zehn Anbietern gehabt haette, steht in Jalalabad gar keins. Nach einigem hin und her-getelefoniere kommt ein Megakleiner Daewoo angebraust und ruft Bishkek, Bishkek. Natuerlich ruft das Maennchen im Daewoo und nicht das Auto selbst. Wobei es umgekehrt mich auch nicht gewundert haette.

Zum Glueck ergattere ich den Vorderplatz, denn die Strecke nach Bishkek ist eine wunderschoene Panoramastrecke durch das Altai=Gebirge mit vielen Passstrassen und vielen schneebedeckten Gipfeln. Soweit die Theorie. In der Praxis natuerlich wieder ein Paar Hindernisse. Denn auf dem Ruecksitz sassen drei Damen. Allerdings keine zierlichen Kirgisinnen, sondern drei gewaltige Matruschkas und die machten aus dem Trip eine Fahrt ins Blaue. Bier und Wodka flosen in Stroemen, der CD-Player toente aus allen Rohren, es wurde gesungen und geschunkelt bis zum Abwinken. Und das alles in einem kleinen Daewoo, der sich die Passtrassen mit Tempo 30 hinaufquaelte. Ohne das Gewicht der drei Damen haetten wir locker das Doppelte geschafft. Nach 300 km auf halber Strecke steigen die Girls aus und verabschieden sich vom Rest der Belegschaft mit Umarmungen, wie es Muetterchen Russland nicht besser gekonnt haette. Schmatz rechts, schmatz links und mittendrin die Aloko-Fahne.

Danach konnte ich mich mehr auf die traumhaft schone Landschaft konzentrieren. Es geht hinauf auf bis zu 4000 Meter, alles schneeweiss bedeckt. In den Taelern erblickt man viel Gruen- und Weideflaechen, am Strassenrand haben sich Nomaden in ihren Jurten niedergelassen. Und ueberall Schafherden und Pferde. Alles ist in Bewegung, nur die Esel machen es sich auf der Strasse gemuetlich. Die Perlen des Hochgebirges sind jedoch die Seen. Hunderte gibt es hier in Kirgistan, mit glasklarem Wasser und umgeben von einer faszinierenden Bergkulisse. Wir fahren vorbei am Sary Celec und am Toktogul Stausee. Dem Taxifahrer habe ich ein paar Som mehr in die Hand geblaettert, so dass er ab und zu ein Zigarettenpaeuschen macht, wahrend ich munter fotografiere. Man kann das Abends, wenn man zudem noch ziemlich ausgelaugt, in visuelle Worte fassen. Aber die Fotos moegen sparter fuer die mangelnde Textphantasie entschaedigen.

Gegen 18 Uhr kommen wir in Bishkek an. Da es schon beginnt, Dunkel zu werden und ich heute Abend noch was vor habe, schreibe ich noch schnell den Blog und beschliesse, die Hauptstadt Kirgistans morgen vormittag unter die Lupe zu nehmen. Das muss leider reichen, der erste Eindruck einer kleinen Stadtrundfahrt war jedenfalls sehr gemuetlich.


P.S. In Bishkeek gibt es kein Ortseingangsschild. Stattdessen gruesst der Herr Staatspraesident auf einem monumentalen Banner seine Besucher. Man stelle sich vor, bei der Einfahrt nach Berlin gruesst eine fuenf Meter grosse Angela Markel.  Lg an H1.



16. Oktober 2009