Donnerstag, 15. Oktober, Jalalabad und Arslanbob



Moin, moin aus Jalalabad !!!

Keine Angst, das ist nicht das Jalalabad in Afghanistan. Bin heute zwei Stunden Richtung Norden in die drittgroesste Stadt Kirgistans gefahren. Damit es morgen nicht ganz so lange nach Bischkek im Norden des Landes dauert. Fahren ist vielleicht der falsche Ausdruck, der Audi A6 ist vor sich hingebummelt. Wer da noch einmal behauptet, die Kirgisen wurden heizen wie die Henker, dem dient die Fahrt nach Jalalabad bestimmt nicht als Beispiel. In Osh hingegen das genaue Gegenteil.Musste nur kurz ueber die Strasse, da waers fast passiert. Denn dort sind die Fussgaenger geradezu eine Zielscheibe von unverantwortungslosen Autofahrern. Einen Kirgisen haette es heute morgen fast richtig erwischt und die Polizei in unmittelbarer Sichtweite ging mal wieder ihrer Lieblingsbeschaeftigung nach - dem Herumlungern.

In Jalalabad kuemmere ich mich erstmal um ein Hotel und habe Glueck. Gleich die erste Nachfrage postiv, ein super Zimmer und damit das genaue Gegenteil der Hoehle in Osh. Auch die Stadt ist angenehm gruen. Viele Baeume und Alleen. Das ist auch noetig bei der Wärme. Es liegt so dicht an der Grenze zu Usbekistan, dass ein Grossteil der Bevoelkerung Usbekisch ist, d. h. strenger Islamisch glaeubig. Zum Einen gibt es mehr Moscheen zum Anderen sieht man deutlich mehr Frauen verschleiert herumlaufen. Obwohl es auch kein Problem ist, dass die russischen Girls in Shorts und bauchfrei herum turnen. Ja turnen, vor dem Hotel ist einriesiger Platz, auf dem man frueher gesagt haette, die machen Aerobic.

Der Bazar ist wuselig. Hier gibt es sogar schon Weintrauben, die aber noch ganz schoen sauer schmecken. Blinde und Sehbehinderte Musiker spielen auf dem Markt. Sie machten damit ganz gut Geld! Allerdings ist es nicht gewollt, Aufnahmen zu machen. Also liess ich es, hoffte sie spaeter noch mal zu finden, aber leider gefehlt. Am spaeten Vormittag mache ich mich dann in die Berge, nach Arslanbob. Hier heisst es wandern, Wallnusswaelder und Wasserfaelle besichtigen. Auf 1800 m Meereshoehe kann man mehrtaegige Trekkings oder die Ersteigung des 4427 m hohen Babash Ata Peak arrangieren. Das lasse ich natuerlich. Die Strasse dahin folgt dem Kamu Unkuer und verliert schnell ihr schoenes Gesicht. Ueberlaufendes Flusswasser oder starke Regenfaelle schwemmen immer wieder Erde und Steine auf die Strasse oder waescht sie teilweise weg. Arslanbob ist eine etwas marode Feriensiedlung, die, obwohl wenig bevoelkert, trotzdem von lautstarker Radiomusik belebt wird. 

Auf einer Wanderung wurde ich von einem netten Einheimischen zu leckeren Bratkartoffeln eingeladen und obwohl ich kaum ein Wort russisch spreche hatten wir eine nette Unterhaltung. Die Kirgisen sind grunsaetzlich sehr gastfreundlich,sie reden und gebe mit Hand und Fuss meine Kommentare ab. Vom wandern bin ich auch ziemlich ausgelaugt, zumal auch noch die Grippe mit mir hadert. Nur den Durchfall habe ich im Griff, dafuer habe ich mit heute morgen beim Zaehneputzen die Zunge verbrannt. Das mit der Mischbatterie haben die Kirgisien noch nicht so drauf.

Die Wasserfaelle sind so lala. Der Kleine ein Wasserfaellechen,den grossen schenke ich mir dann, dazu reicht auch die Zeit nicht. In den Walnusswaldern wird gerade geertntet und was wohl: Natuerlich Walnuesse.  Fuer jemanden aus der Wetterauer Landbevoelkerung jetzt nichts aufregendes - auch wenns bei uns keine Nuesse gibt.Die Damen arbeiten und die Kinder springen drumrum. Und so manch kleiner Kirgise strahlt wie ein Honigkuchenpferd, wenn ich ein Foto von im mache.

Apropos Honigkuchenpferd.Der Honig ist hier ganz gut und die Kirgisen sind da professionelle Reiter. Hier wird die Schafherde noch zu Pferd ueberwacht. Dafuer habens die kleinen Esel dann nicht so schwer. Sie laufen gelangweilt herum und grinsen sich eins ab, wenn sie mir in die Linse schauen.

Auf der Rueckfahrt muss ich wieder Handeln. Wer das bei den Taxifahrern nicht tut, kann ein Vermoegen verlieren. Das erste Angebot nach Arslanbob liegt bei 1000 Som (ca. 16 Euro), am Schluss bezahle ich 70 Som,das ist etwas ueber einen Euro. Da das Internet hier eine Katastrophe ist (auf meine Yahoo Seite komme ich gar nicht), hoere ich fuer heute auf. Die I-Cafes schliessen hier um 19 oder 20 Uhr und die Suche nach einem Restaurant habe ich schon aufgegeben. Im Reisefuehrer steht keins drin und die Strassenbeleuctung ist nicht existent. Bei den Schlagloechern auf dem Buergersteig hier ein existentielles Thema.

P.S. Da ich beim Taxifeilschen (oder sollte man sagen "Versuchen, nicht uebers Ohr gehauen zu werden" ) doch sprachlich unterlegen bin, nutze ich meine Handflaeche als Boersenbarometer. Jeder kritzelt eine Zahl auf meine Hand und ich stelle den Kurs fest. Lg an H1.







15. Oktober 2009