Mittwoch, 14. Oktober, Osh



Zunaechst der Krankenstandsbericht. Schnupfen, Heisserkeit, Durchfall, Fieber. Usbekistan hat mich voll erwischt. Auch wenn ich jetzt in Kirgistan sitze, das habe ich mir vom Nachbarland eingescheppt. Dank der Firma Bayer und ihrer Artverwandten haelt sich das alles zwar in Grenzen, aber das Thema Durchfall ist hier nicht zu unterschaetzen, zumal noch alles aufs Plumpsklo ausgerichtet ist.

Folglich habe ich heute auch ziemlich lange in den Federn gelegen. Die Damen hatten schon alles im Hotel sauber gemacht, weshalb sie auch nicht ganz so gluecklich waren, als ich um 11 Uhr ins Bad gegangen bin und alles wieder benutzt habe. Die Hotels in Kigistan sind nicht im Geringsten mit denen in Usbekistan zu vergleichen. Bei den drei Sternen, die man mir avisisiert hatte, sind mindestens zwei auf dem Backschisch-Wege verliehen worden.

Um nicht weiter im Staub von Osh zu versinken, habe ich dann einen Bus Richtung Sary Tash genommen, hier liegen die 7000 er der Pik Lenina und der Pik Kommunismn, also alles noch schoen aus der UdSSR Zeit. Hier ist auch das Drehkreuz zwischen alledem was so ueber Tadschikistan nach Afghanistan oder sonstwo hin geschmuggelt wird. Raeuber, Schmuggler, Agenten und Piraten, wie man das sich so vorstellt. Und in den Kneipen nette Girls wie im Western Saloon, auch wie man das sich so vorstellt. Da ich mangels Fitness momentan keinen Nerv fuer das Schmuggelgeschaeft habe, gehe ich etwas wandern. Nichts aufregendes, aber man hat doch einen Blick auf die schoene Landschaft. An einer Aussichtsplattform werden Fotos geschossen, der Stick von einem Printer gelesen und das fertige Exemplar dann ausgedruckt.  50 Som kostet das ganze, knapp einen Euro pro Foto. Da von 13 bis 14 Uhr der Kirgisen geheiligte Mittagszeit ist, biete ich mich als Vertretung an und schiebe fuer 45 Minuten Dienst mit meiner eigenen Kamera. Stick ins Lesegeraet und hat funktioniert. Als Dank fuer die vertretung erhalte ich einen Gratisabzug von mir und die obligatorische Ration Wodka.

Als ich neben der Straße zwei Jurten sehe, halte ich an. Ich gehe zu den Jurten, Kinder Schauen mich neugierig an und die Frau des Hauses bzw. der Jurte bietet ein frisch gebackenes Fladenbrot an. Vom Mann gibts Kumiss, das ist gegorene Stutenmilch. Na denn Prost, ist nicht mein Ding.

Die Jurte ist geraeumig und mit bunten Teppichen ausgelegt. An den Waenden sind Decken in leuchtenden Farben für die Nacht ordentlich gestapelt. Draußen lachen die Kinder und ein Esel schreit. Mangels ausreichender sprachkenntnisse wird der Treff aber ein kurzer bleiben, denn ich muss auch weiter.

Zurueck zu Osh. Bin vorhin ueber den Osh Bazar gegangen, dort werden schon morgens die 0.5 Liter Flaschen Schnaps eingekauft und die Buddel gleich leer getrunken. Habe sowieso das Gefuehl, dass in Kirgistan noch soviel gesoffen wird, wie das frueher zu Zeiten der Sowjetunion noch der Fall war. Der Basar von Osh ist eine Riesenflaeche, wo man alles vom Besenstiel ueber die Couch-Garnitur bis zu Socken und Unterhosen kaufen kann. Alledings wohl auch hier ein Hauptumschlagplatz fuer Schmuggelware. Beim Blick in einen LKW sehen ich eine Waffe und woanders werden Saecke mit weissem Puver verschoben. Glaube kaum, dass das Mehl war.

Allerdings laeuft das alles ganz offen, denn die Polizei im Gegensatz zu Usbekistan wird hier nur just for fun gehalten. Am Abend dann bin ich durch die schattigen Alleen geschlendert und habe nach zwei Tagen Fastenzeit wieder mal was festes gegessen. Leckere Lakhman (Nudeln) genossen , die allerdings erst noch fachmennisch gewuerzt werden mussten. Die Kirgisen sind ein Nomadenvolk, da kann man nicht soviel mit auf die Nomaderie nehmen, d.h. es wird hier weitgehend ohne Gewueze gekocht und man muss da etwas nachhelfen.

Unterwegs mache ich zwei Stopps. Einen in der Universitaet, wo die gesylten Kirgisinnen wohl gerade eine Pruefung haben oder ihre Noten bekommen. Sie sitzten geschwitzt da, gehen schweissgebadet ins Rektorat und kehren ebenso wieder zurueck. Am Eingang der Uni sind die Professoren alle in Oel abgebildet, das haette man sich einmal in Frankfurt vorstellen sollen. Sehen alle aus wie die alten Jungs des letzten DDR-Politbueros. Der zweite Stopp dann am Stadion. Nach dem Training dort gehen die Jungs in die Aphrodite Bar. Bin ich auch mal rein und habe meine Russisch Kennnisse ausprobiert. Die haben zwar mich verstanden, aber ich nicht die, weshalb ich nach einem Bier die Runde auch wieder verlassen habe. Vom 1. FC Osh habe ich bis dato zwar noch nichts gehoert, aber so wie die Jungs beim Ttrinken dabei waren, haben sie zumindest beim Oktoberfest alle Chancen auf den ersten Preis. Beim Trinken natuerlich, oder auch gegen den FC Bayern, der seit der hollaendischen Invasion auch nur noch den sprichwoertlichen Kaese, der frueher von der Frau Antje angepriesen wurde, spielen.

P.S. In Kirgistan wird beim Einkaufen die Verkaeuferin etweder als Djewuschka (Maedchen) oder Babuschka (Oma) angesprochen. Heute war ich im Zweifel und habe Babuschka gesagt. Vermutlich war ich ziemlich nahe an einer Backpfeife. Lg an H1. 

14. Oktober 2009