Dienstag, 14.10., Paro
14. Oktober 2008
- Tiger Nest


Zunaechst eines vorweg. Es ist jetzt 18 Uhrt in Paro und mier tun alle Knochen weg. Trecking zum Tiger Nest war heute angesagt. Zudem ist heute noch NATIONAL DRY DAY (Nationaler Trockentag), da gibts kein Bierchen zu trinken. Also wird es ein gemuetlicher Abend im Hotel, zum lesen habe ich ja noch genoch.

Um 9 Uhr gings los. Wir gehen zum Meditationshaus am höchsten Punkt des Tals.. Ein Hund schläft auf dem Weg. Ich steigen über ihn, so wie ich in Paro, in Thimphu oder Punakha drueber gestiegen bin. Die meisten Hunde Bhutans oeffnen nicht einmal ein Auge, wenn ein Schuh neben ihren Kopf tritt oder ein Auto sie knapp umrundet. Moeglicherweise auch Bhuddisten.  Spaetestens nach Mitternacht wird man von dieser Illusion befreit, wenn die wilden Horden hundertstimmig bellend durch die Strassen jagen. Aber das nur am Rande, denn die letzte Nacht war wieder mal laut.

Ziel des kleinen Trecks ist das Nest des Tigers, das in ca. 3000 Metern Hoehe befindliche Kloster Taktsang, in einen Felsen am oberen Hang gehauen. Padma Sambhave, der Begründer des Buddhismus in Bhutan, so geht die Sage, ritt auf einem Tiger, entkam seinen Verfolgern, bezwang die Dämonen der Gegend. Das soll so im 8. Jahrhundert gewesen sein. Einen Fussabdruck eines Deaemons kann man auf dem Weg sehen. Format: Schuhgroesse 55.

Der Aufstieg ist fuer einen Gelegenheitswanderer wie mich doch etwas anstrengend. Scho n nach 50 Metern plumpse ich von einer kleinen Haengebruecke hib und falle weitere 20 Meter ueber eine Baumwurzel. Danach gings, bei mir langsamer, waehrend die dort ansaessigen Moenche  wie Gemsen den Berg hinausspurten.  

Das "Tiger’s Nest" ist auch ohne Hoehenmeter atemberaubend. Diese Selbstverständlichkeit, mit der dieses Bauwerk aus dem 17.Jahrhundert am Berg sitzt, verdient einen Architekturpreis erster Klasse. Leider brannten im April 1998 grosse Teile des Klosters ab, weshalb das doch 500 Jahre alte Gebaude recht frisch aussieht. Der Tiger ist auch nicht mehr da, wohl von den Flammen in die Flucht geschlagen. Jetzt hangen hier an jeder Ecke Feuerloescher, aber Wasser und Feuerwehr im Notfall koennen womoeglich nur aus der Luft helfen. Nach dem Abstieg bin ich erstmal k.o.

Ob ich "Erma datsi" kenne, will spaeter die Bedienung wissen. Dann bekomme ich zum Essen eine Schuessel voll grüner Chilis gekocht in Käse. Mit brennt die Zunge. Chilis wachsen hier ueber all und liegen - vor allem die roten - gut sichtbar zum Trocknen auf jedem Dach.

Weiter guings noch zum Nationalmuseum im alten sechsstoeckigen Wehrturm. Zu sehen gibt es jede Menge Skulpturen, Tankas, Schriften und alten Gebrauchsgegenständen. Die Geschichte und Staatsgruendung des Bhutans wird aufgearbeitet, und natuerlich gibt es jede Menge Fotos von den Herren Koenbigs. Unsereins darf natuerlich nicht fotografieren.

Letzter Punkt fuer heute: der wieder imposanten Paro Dzong. Eine gigantische Klosterfestung, die Teils von den Moenchen, teils von der Regierung genutzt wird. Diese archaischen Festungsbauten gehen alle auf den allgegenwaertigen Shabdrung Rin Poche zurück, der im 16.Jahrhundert hinter jedem Stein ein massives Kloster, im hieseigen Sprachgebrauch, einen Dzong gebaut hatte.

Von den Moenchen bekomme ich dann noch ein paar farbige Schnuere um den Hals gebunden – ‚For good luck and a long life’. Was kann mir jetzt noch passieren?

P.S. Im Tiger Nest finde haengt an jeder Ecke ein Feuerloescher Marke Minimax. Da kommt mir der alte Spruch in den Sinn: Hast Du Minimax im Haus, bricht bei Dir kein Feuer aus. Doch Minimax ist grosser Mist, wenn Du nicht zu Hause bist. Die englische Uebersetzung brachte mir leider nur unglaeubiges Staunen entgegen. Lg an H1.