Dienstag, 13. Oktober, Tashkent - Andijan - Osh



Moin, moin aus Osh !!!

Bin vor wenigen Stunden in Kirgistan eingetroffen. Und genauso wie ich sehr positiv ueberrascht war von Usbekistan, als ich vom Flughafen in Urgench in die Wuestenstadt Chiva fuhr, so sind auch heute Erwartung und Realitaet doch etwas auseinandergedriftet. Denn der erste Eindrcuk von Kirgistan ist nicht so dolle. Ein sehr staubiges Pflaster, nichts funktioniert und eine Horde von Leuten, die den Tag an den Buergersteigen steht und versucht sich ein paar Som, das ist hier die kirgisische Waehrung, zu verdienen. Bisher habe ich allerdings noch nicht allzuviel gesehen, vielleicht relativiert sich das ganze noch, im schlimmsten Falle packe ich morgen den Rucksack und fahre in den Sueden nach Sary Tash oder ziehe Richtung Norden nach Jalalabad.

Heute morgen bin ich in aller Fruehe aus den Federn, um zu einer vernuenftigen Zeit in Kirgistan anzukommen. Was hat man nicht alles gehoert von der Strecke Tashkent - Osh. Bomebenattentaeter, Entfuehrungen, militante Islamisten und auch das auswaertige Amt warnt eindringlich, diese Strecke zu meiden. Sollte wirklich was passiert sein, so muss es exakt in der Stunde geschehen sein, wo ich munter vor mich hingeschlummer bin. Was man allerdings mitbekommt, hier wird geschmuggelt wie die Weltmeister. Im Kofferraum des Fahrers war deutlich mehr Inhalt als die Taschen und Rucksaecke der vier Passagiere.

Statt Stress gondeln wir auf einer super augebauten Strasse in das zumindest die ersten 200 km schoene Fergana Tal. Umgeben von den Bergen des Pamir erscheinen die erszten schneebedeckten Zipfel. Kirgistan kann kommen, so denke ich, zumal auch der Fahrer des Sammeltaxis ein gemuetlicher Bursche ist. So vom Aussehen und Naturell ein usbekischer Erwin Ess, oder fuer die Frankfurter Leser ein geklonter Reinhard Obermayer. Er sagt die ganze Zeit nur Chef zu mir und zeigt mit waehrend (!!!) der Fahrt unzaehlige Fotoalben. Von seinr Familie, einem Trip mit einer Sportdelegation nach Hamburg und Frankfurt und noch ein paar Aufnahmen aus Tashkent. Dass er in der einen Hand im Album blaettert und mit derr anderen per Handy telefoniert oder SMSe schreibt, macht mich auch nicht mehr nervoes, denn er hat ja noch einen Daumen und das Knie zum lenken.  Wir ueberholen alle. Links und rechts. Ich sehe unzaehlige Schafherden auf der Autobahn, Esel mitten auf der Passstrasse und Frauen, die ihr Obst auf dem Standstreifen oder der Ueberholspur verkaufen. Mit wievelen Sachen wir fahren, weiss ich sowieso nicht, denn ich habe hier in Usbekistan noch keinen funktionierenden Tacho gesehen.

Dabei habe icg Glueck gehabt. Normalerweise stehen an den Taxistaenden jede Menge Leute mit Notenbuendeln in der Hand und bruellen um die Wette, Passagiere  in alle erdenklichen Ecken des Landes zu bringen. Sie finden keine Arbeit, haben aber ein Auto. Also fuellen sie ihren Wagen und chauffieren das Volk in der Gegend rum. Als ich ankomme, wird die Menge noch weiter aufgewuehlt. Es geschieht nicht oft, dass Fremde hier alleine auftauchen. Jeder will den Gast mitnehmen. Es wird gezerrt und geschnattert, Preise auf Notizzettelchen notiert. Einer drueckt mir sein Handy ans Ohr, durch das mir ein Cousin oder Vetter oder Bruder den Fahrer anpreist. Ein Typ mit gespiegelter Sonnenbrille sagt, er sei der einzige vertrauenswuerdigste Mensch im Umkreis von hundert Kilometern. Doch ich nehme den kleinen Gemuetlichen.

Durch Andijon nachen wir eine kleine Stadtrundfahrt, allerdings hat der Lonely Planet hier mal Recht. Es gibt ausser einer in den Landesfarben blau, gruen und weiss durchaus schoen gepflegten Stadt nichts Nennenswertes zu sehen. Dann gebe ich dem Fahrer noch 10000 Sum, etwa 4 Euro und wir fahren die 45 km bis zur Grenze.

Ich steige aus und hole mit den Ausreisestempel Usbekistans. Was allerdings nur gegen etwas Backschisch funktioniert. Denn auch die usbekischen Grenzer machen Mittag und um 14 Uhr steht eine ganze Horde von Einreisewilligen, meist Grenzpendler vor dem Uebergang. Mein Fahrer gibt mit einen Tip und fuer kanpp einen Euro werde ich sofort durchgelassen. Der Grenzer verabschiedet mich sogar mit einem freundlichen Auf Wiedersehen.

Dann das seltsame: Zwischen Usbekistan und Kirgistan sind 500 Meter Niemandsland. Schon hier kommt mir ein Taxifahrer entgegen, ziemlich blum um die Mittagszeit. Er zerrt an mir rum und kann nicht verstehen, dass ich erst mal die Grenze hinter mich bringen will. Mit jedem Schritt kommt ein weiterer Taxifahrer dazu.

Das Grenzgebaeude Kirgisiens sieht aus wie so ein Schiffscontainer. Keine Ahnung wo sie den her haben. Jedenfalls geht man in den Container rein und innen ist er wunderbar eingerichtet, mit hübschen Schaltern, und hinter einem dieser Schalter sitzt ein ruhiger Mann, betreibt etwas Konversation in Englisch, preist die Gastfreundschaft der Kirgisen und heucht einen kaum lesbaren Stempel in meinen Pass hinein. Gepaeck wird keine kontrolliert, auch die Deklaration irgendwelcher Waren entfaellt. Da es keinerlei Schilder gibt, wo hier was zu erledigen ist, gehe ich nach dem Einreisestempel einfach meiner eigenen Wege um die Container rum und suche mir dann ein Taxi mit einem nuechternen Fahrer. 

Er faehrt Umwege, aus Angst vor der Miliz, ein seltsamer Ort. Das Hotel ist ein Alptraum, auch ein seltsamer Ort. Und als ich dann bei einer Bank, die laut Aushang bis 17 Uhr geoffnet hat, Geld wechseln will, werde ich noch vor halb fuenf hinauskomplimentiert. Auch ein seltsamer Ort.

Schaun wir mal was der morgige Tag bringt, ich bin gespannt. Leider scheine ich auch etwas krank zu werden. Die Stimme ist schon weg und der Hals kratzt wie ohne Perwoll gewaschen.

Aus Frankfurt gibts zumindest Trost, ich soll das nächste mal nach Sochi fahren. Zitat: Da gibts mindestens Action, Räuber, hübsche Mädels und ganz viel Mafia! Schaun wie mal was die Jungs und Maedel in Osch zu bieten haben.

P.S. Ich habe jetzt genau und umgerechnet ganze 2 Euro in der Tasche. Je nach dem was das Internet kostet, wird es heute ein ruhiger Abend. Lg an H1.



13. Oktober 2009