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Freitag, 12.10., Corioco (Yungas)
12. Oktober 2007
Tagesausflug in die Yungas, das Urwaldgebiet am Rand des Amazonas inclusive Achterbahnfahrt. Schwupps, heraus aus dem Verkehr von La Paz geht es weitere 12 km bis Cumbre, auf immerhin 4.700 m Hoehe. Es ist ganz schoen frisch hier oben und immer wieder ist die Strasse von Eiszapfen gesaeumt. Wenig spaeter beginnt die berühmt-beruechtigte Yungas-Strasse. Auf ca. 65 km ueberwindet eine aus der senkrechten Felswand gehauene Piste die 3.500 Höhenmeter hinab in den Urwald. Es soll die gefährlichste Strasse von ganz Amerika sein, auch als Todesstrasse bekannt. Meines Erachtens ist die Strecke nicht aufregender als die L3187 zwischen Dorn-Assenheim und Weckesheim. Zudem noch meterhohe Leitplanken, was das Fotografieren extrem erschwert. Ausserdem herrscht hier gewöhnungsbedürftiger Linksverkehr, damit der bergab fahrende und zum Ausweichen verpflichtete Fahrer aus dem Fenster direkt auf die Kante sehen kann, um sich so nah wie möglich und so fern wie nötig am Abgrund halten zu können.
Weiter geht's also, es wird zunehmend wärmer und grüner, eine angenehme Abwechslung nach der langen Zeit im kahlen Altiplano (Andenhochland). Ziel ist das auf einer Bergkuppe gelegene Oertchen Coroico. Das Panorama laesst nichts zu wuenschen uebrig und mit Sack und Pack geht es erstmal die Umgebung erstoebern. Kurzentschlossen nehme ich noch den Bus nach nach Tocona. In diesem Dorf leben die Nachfahren ehemaliger afrikanischer Sklaven, die nach Bolivien gebracht wurden, um im Silberbergbau zu arbeiten. Es stellte sich jedoch heraus, dass sie in der Hoehe nicht so leistungsfähig waren. Deshalb setzte man sie in der Landwirtschaft ein. In Tocona kann man neben vielen verschiedenen Obstsorten auch Coca-Plantagen sehen. Die Pflanze wird hier ganz legal angebaut, da die getrockneten Blätter später zum Kauen oder für Tee verwendet werden.
In Tocona heisst es erstmal einen Esel besorgen, der sich um die Lasten auf dem doch schmalen 6 km langen Weg kuemmert. Kaufesel gibt es keine, ich muss einen fuer 4 Dollar leihen. Nichtsdestotrotz taufe ich das Tier erstmal: Und zwar auf den Namen Carlos-Norberto. Der Esel ist weniger stoerrisch als gedacht und so schaukeln wir uns beide plus Guide zu den Plantagen. Das die Zeit etwas draengt und ich noch den 5 Uhr Bus nach LaPaz von Corioco aus bekommen muss, schenke ich Carlos Norberto dem Guide. Mehr konnte ich an dieser Stelle nicht tun und so hoffe ich, dass der Guide mit dem Vierbeiner gluecklich geworden ist.
Am Abend macht sich die indianische Kueche der drei letzten Wochen wieder bemerkbar. Statt in eine Pena, wo ich mir eigentlich bolivianische Musik anhoeren wollte, werde ich nun erstmal ins Hotel gehen und schauen, dass es dem Magen besser geht.
P.S. Die bolivianische Kueche ist gewoehnungsbeduerftig und ist mir nach Lage der Dinge auch nicht bekommen. Sollte sich der Magen irgendwann einmal erholen, gibts nur noch eins: Nix wie zum Addi. Zum letzten mal ein schoenes WE aus Suedamerika. und lg an H1.