Montag, 12. Oktober, Tashkent



Tashkent - hier ist die spannung zwischen Europa und Orient besonders spuerbar, allerdings mit einer deutlichen Verlagerung Richtung Europa. Es ist Montag morgen und innerhalb kuerzester Zeit beobachtet man Designermode tragende Frauen in der Neustadt, weaehrend um die Ecke die Matruschka in der Altstadt kopftuchverhangen aus ihrem Lehmhausfenster starrt.

Mit der U-Bahn fahre ich zum Chorsu Bazar, ein absolutes muss. Leider erlaubt es mit die omnipraesente Miliz wieder nicht, ein Foto der Sehenswerten U-Bahn-Stationen zu schiessen. So gleicht die Kosmonavtlar einer kleinen Raumstation. Der Chorsu ist ein Riesenbazar, jede Produkt- oder Erzeugnisgruppe wird auf einer Flaeche gehandelt, die anderswo den ganzen Markt ausmachen. Wassermelonen und Kuerbisse , soweit das Auge sieht. Offensichtlich ist hier das zentrale Lagre fuer weltweiten Halloween Partys in drei Wochen. Nicht viel weiger imposant die Fleischerhalle, wo man mir die unterschiedlichten Waren andrehen will. Als ich einmal genervt zu mir selbt antworte, was soll ich mit dem ganzen Zeugs, gabs eine Antwort ueber die Theke zurueck: Musst Du kaufen, Familie mitbringen. Deutsch wird doch in der alten Sowjetunion mehr verstanden,m als man gemeinhin denkt.

Ich schaue mir die Handwerkshasse an und stosse auf merkwuerdige Dinge. Hier haben alle Babywiegen ein Loch irgendwo in der Mitte. Das, so erklaertman mit ist das "Abflussloch" fuer die kleinen Schreihaelse. Fuer die Babys sind diese wiegen aber gar nicht so prickelnd, denn sie werden festgebunden. Sonst waere der praktische Abfluss ja nutzlos. Auch hier wieder ueberall die Miliz. Aeltere Frauen, die Struempfe und Unterwaesche verkaufen, werden weggejagt, um dann wenige Minuten spaeter ihr Sortiment wieder an gleichem Ort und gleicher Stelle auszubreiten.

In der Altstadt sind die alten, langsam zerfallenden Lehmhaeuser zu sehen,die Gasleitungen verlaufen oberirdisch und auch das Abwasser scheint hier ein Problem zu sein. Dafuer entschaedigt der Blick beim Verlassen des Altstadtlabyrinths. Der Xasti-Imom Platz beherbergt top gestylte Medresen und Mausoleen. Das tuerkis der Kuppeln glanzt noch einen Tick schoener als das der auch aelteren Gebaeude in Samarkand oder Buchara. Interessant auch die Medrese Kukeldash, weniger wegen ihrer Architektur, als wegen der Hintergrundinformationen. Hier wurden frueher von Despot Kukeldash ehebrecherische Frauenn hingerichtet. Man steckte sie angeblich in einen Sack, nehte diesen zu und warf sie aus 20 Meter Hoehe aus der Medrese auf die vorbeifuehrende Strasse. Heute waere das nicht mehr moeglich, denn die verschiedenen Erdbeben haben die Hoehe der Bauten auf hoechstens vier Meter schrumpfen lassen.

In der Mitte der Neustadt findet in unregelmaessigen Abtaenden ein Denkmalwechsel statt. Erst wars eine zaristischer Kaufmann,dann eine Arbeiterfigur aud der Bolschewistenrevolutionen. Irgendwann verewigte sich dann Vaeterchen Stalin, bis die beiden Jungs aus Deutschland, Herr Marx und Herr Engels auf dem Sockel standen. Als man sich des Kommunismus 1991 entledigte, hatte auch deren Stuendlein geschlagen, jetzt trohnt unser alter Freund Timur plus Pferd und blick auf die acht sternfoermigen Ausfallstrassen zu.

Auf dem Rueckweg traue ich meinen Augen nicht. Mitten auf einer Verkehrsinseln - Meister Adebar persoenlich, und das in siebenfacher Ausfertigung. Vor einem Springbrunnen grasen in aller Gemuetlichkeit einige Klapperstoerceh. Ich war deraert perpext, dass ich sofort eigie Fotos schiessen musste. Das dies nur von der Schnellspur der fuenfspurigen Stadtautobahn zu machen war, merkte ich erst, als mich die Miliz mit lautem Triller-Gepfeife von der Strasse vertrieben hatte. Dennoch hab ich bestimmt 10 Bilder, den den letzten Srorch habe ich vielleicht vor 20 Jahren gesehen.

Mittags gehts noch am Zirkus vorbei auf den Istiquol Platz. Ganz nett hier, nut faellt auf, dass - obwohl ueber all in der Stadt die Miliz rumhaengt - vor dem Parlamentsgebaeude kein einziger Polizist stationiert ist. Vermutlich ist das Parlament hier so ueberfluessig wie eine Wassermelone in meinem Rucksack. Ansondten aber ein schoener Park und laufend kommen junge Usbeken und wollen ihr Englisch an mir ausprobieren. Whats your name, how are you, where do you come from ? Den Text kennt man nach kurzer Zeit auswendig. In der Naehe befindet sich das Museum fuer angewandte Kunst, also schaue ich hier mal rein. Schmuckstuecke, Teppiche, Goldstickereien, Metalle, Porzellan und vieles mehr. In der Gallerie haengen bilder aus, von denen ich ein paar Fotos machen darf. Nebenan wird wohl gerade eine Modenschau mit usbekisch moderen Trachten arrangiert. Allerdings sind die Girls so langsam drauf, dass ich nach 15 Minuten das weite suche.
 
Ehrlich gesgagt, die Weitraeumigkeit der Stadt hat auch bei mir ihre Spuren hinterlassen und die Motivation, sich fuer weitere Besichtigungen anzustrengen, ist ein wenig auf dem Tiefpunkt angekommen. Wenn ich den Blog geschrieben habe, heisst es noch ein bisschen Abhaengen in irgendwelchen Cafés und vielleicht noch ein Bier in einem Pub. Dervish Art Cafe, das Che-Cafe und Patricks Irish Pub sollen gute Anlaufadressen sein.

Denn morgen steht ein anstrengender Tag bevor. Die Reise durch das Fergana Tal und die Einreise in Kirgistan. Erste Mahnungen, es nicht zu dolle mit den UHUs und KHs zu treiben sind auch schon aus Frankfurt eingetroffen. UHUs, KHs ? Nur was fuer Insider !!!

P.S. Dann duerfte auch das Internet nicht mehr ganz so dolle sein wie in Tashkent und der Blog vielleicht mit Verzoegerungen live gehen. Dennoch: ich probiere immer Up to date zu sein. Lg an H1.


12. Oktober 2009