Donnerstag, 11.10., 
11. Oktober 2007
La Paz


Die Energie neigt sich langsam dem Ende und die sauerstoffarme Luft tut ein uebriges dazu. Also mache ich mirs bequem und unternehme eine Stadtrundfahrt. Knapp vier Stunden dauert das Ganze und fuehrt durch eine Reihe kolonialer Viertel bis in den tiefen Sueden der Stadt zum Valle de Luna. Hier haben die Naturgewalten ueber Jahrtausende eine Mondlandschaft aus Steinsaeulen und -tuermen entstehen lassen. Ansonsten zeigt sich La Paz eher provinziell. Nett, aber nicht atemberaubend.

Mangels Energie halte ich zum ersten male in diesem Urlaub ein Mittagsschlaefchen. Als ich wach werde, laeuft auf der Deutschen Welle eine Kochshow mit Lafer und Kerner. Muss ich erst nach Bolivien fahren, um sowas zu sehen.

Am Nachmittag schaue ich mir einige Viertel der Stadt zu Fuss an, besonders die Kolonialgebaeude und die Maerkte. Nach unzaehligen Shops mit Silberwaren und leider geringer Qualitaet an allem moeglichen Wolligen mache ich beim Hexenmarkt halt. Dort gibts Kraeuter, Amulette, Lamaembryos und vieles mehr, was dem Boliviano von heute so Glueck bringen soll. Gegen einen Dollar oder mehr fangen die Meister der Magie dann auch an zu lesen, z.B. den Eingeweiden eines Meerschweinchens. Ich opfere zwei Dollar, doch das einzige was ich aus dem Tierchen lesen konnte, war dass es wohl nicht mehr ganz frisch war. Ansonsten gibt es hier alles zu kaufen, auch wenn ich nichts davon gebrauchen konnte.

Unterwegs mache ich einen Stopp im Coca Museum, wo anschaulich - auch auf Deutsch - alles ueber die indianische Kultpflanze Coca erzaehlt wird. Auch wenn bei uns eher die Herstellung von Kokain bestimmendes Thema ist, hier wird die Pflanze teils legal angebaut und hat eine gesellschaftliche Funktion. Wer in der Gegend um La Paz heiraten wollte, der musste seiner Angebeteten ein Haus und ein Coca Feld vorweisen. Und die Hochzeit war unter Dach und Fach, wenn der Vater der Braut einen Sack Coca Blaetter als Geschank annahm.

Auf dem Weg in den "Reinecke Fuchs" schaue ich noch in einem Kunstmuseum vorbei. Nichts spektakulaeres ausser Fotographien aus den 30er Jahren, die zeigen, wie wenig sich hier eigentlich veraendert hat.

P.S. Zurueck vom Coca Museum auf den Markt, kaufe ich einer Marktfrau eine Tuete Cocablaetter fuer knapp 15 Cent ab. Erstens kann man ja nie wissen und zweitens ist es gar nicht so teuer, sich bei einem bolivianischen Brautvater  einzuschleimen. Lg an H1.