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Sonntag, 12.10., Phobjikha Valley - Wangdue
12. Oktober 2008
Das Aufstehen faellt heute megaschwer. Kein Wunder nach der vergangenen Nacht. Doch zunaechst der Reihe nach. Punkt 18 Uhr gestern faellt der Strom im ganzen Bergdorf Trongsa aus. Ich war noch auf Dorferkundung, wenn man das so nennen kann, ploetzlich sieht man weder die eigenen Fuesse, noch irgend ein Gebaeude. Rund 10 Minuten dauert es, bis in irgedn einem Geschaeft eine Kerze flackert. Immerhin erreiche ich wenig spaeter wieder das Hotel. Mit der Kerze leuchte ich den Kuehlschrank der Hotelbar aus und finde auch was brauchbares fuer mich und einen ebenfalls duerstenden Oestereicher. Der war allerdings kein Tourist, sondern arbeitete hier bereits seit drei Jahren fuer die Regierung.
Seine Eindruecke stellen sich ganz anders dar als das hier vermittelte, teilweise schon von der Monarchie narkotisierte offizielle Denken. Er klagt so ueber alles, was man klagern kann. Kein Strom (kann ich bestaetigen), kein I-net Zugriff (welch Wunder ohne Strom), kein Wasser (soll er mal zu mir ins Zimmer kommen) und die ausufernde Buerokratie. Jedenfalls hat er viel zu erzaehlen und ist auch sehr durstig. Da unser Hotel doch sehr touristisch angehaucht ist, beschliessen wir um die Haeuser zu ziehen.
Nach einigen Stopps landen wir in einer Kneipe (der Oesterreicher bezeichnet die alle als Schnapsbuden), in der sich vile Jugendliche aufhalten und wie bei uns in den 50ern sitzen, trinken und fernsehen schauen. Schnell kommt man ins Gespraech, Englisch ist selbst in der Bergwelt ganz gut verbreitet. Zur den bekannteren Produkten aus Bhutan gehoeren alle Sorten Whisky, und das in den schillerndsten Farben. Alle so um die 43 Prozent. Die Portinonierung liegt weit ueber dem ueblichen Standard in Europa, doch komme ich nicht herum, eine gruen schimmernde Fluessigkeit zu probieren. Der Geschmack ist unbeschreiblich, vermutlich haben sich die Fussnaegel vor Schreck in den Struempfen verheddert. Den naechsten Destillaten entgehe ich durch unauffaelliges Beimischen von Wasser und beschraenke mich ansonsten auf oertliche Softdrinks.
Es dauert nicht lange, und mein neuer Freund beginnt lustig zu werden. Ich bringe ihm und der Dorfjugend ein nettes Wuerfelspiel bei, die Wuerfel waren vorhanden, als Becher nutzten wir eine noch auszuleerende Zuckerdose. So nach rund zwei Stunden hatte mein Freund sieben Runden verloren, die Dorfjugend und ich je eines. Kein Problem, das Bier in 0.7 Liter Einheiten kostete so um die 70 Cent.
So gegen Mitternacht warf uns die Wirtin raus, nicht ohne den Hinweis auf die Schlangen zu achten, die sich in der Nacht auf die warmen Strassenbelaege zurueckziehen. Schlangen hatten wir allerdings keine gesehen, was im Dunklen auch nicht moeglich war. Hoechstens die Lady an der Nachtrezeption, die den Oesterreicher zu spaeter Stunde doch noch mit den Lautstaerkeregelungen des Landes vertraut machte. Stattdessen muss mein Freund wohl einem der umherliegenden Strassenkoeter ziemlich heftig auf den Schwanz oder dergleichen getreten sein. Einleutes gejohle und geklaeffe verfolgt ihn bis zum Hotel. Aus naheliegenden Gruenden halte ich mich etwas abseits.
Die folgende Fahrt erlebe ich meist schlafend. Als erstes besuchen wir noch den Dzong von Trongsa, dem man das 16 Jh. ansah. Maechtig von aussen, von innen aber eher den Charme eines alternden Bauernhofes. Gleiches auch in Wangdue Phodrang, das Kloster liegt zwar majestaetisch über dem Flusstal, doch es wirkt wie verlassen. Sontags haben die Moenche Ruhetag und alles was zu hoeren ist, ist das Gebalze von unzaehligen Huehnern und Haehnen. In die Gebetsraume kommen wir nicht rein, dafuer koennen wir die historischen Fassaden und Wandmalereien bewundern.
Weiter gehts zum Nationalpark "Black Mountains" von wo aus die Abzweigung ins Tal von Phobjikha führt. Das Tal ist eines der wichtigsten Wildreservate des Landes und um diese Zeit sind sehr viele seltene Schwarzhalskraniche zu sehen, die hier den Winter verbringen. Das Tal ist von ihrem Geschrei nur so gekennzeichnet. Eine kleine Exkursion fuehrt noch zum Kloster Gangte, das den kleinen Ort überragt. Zunaecht noch einen Besuch beim oertlichen Festival, zu dem die Jungs in Schafren auf Traktorwagen angekarrt kommen und dann per Fuss dem Natural Trail entlang in das Tal, vorbei an netten Bauernhaeusern, wo man wieder die Kraniche beobachten kann. Beim Festival gab es diesmal auch fetzige Musik. Hip Hop von 10jaehrigen Moenchen. Quasi Hip-Monk.
Den Rest des Tages verbringe ich im Auto bei einem hustenden Fahrer, der mich mehr oder weniger am Schlaf hindert. Abends noch etwas Bummeln in Thimphu und dann ins Bett. Die Hotels sind hier sehr gut.
Die Mittagspause war in Dung Dung, was ich irrtuemlich als Sitz der hieseigen Agrarmittelproduzenten vermutete. Lg an H1.