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Samstag, 10. Oktober, Shakrishabz
Hi aus Samarkand.
Muss mich etwas sputen, gleich faengt das Landerspiel Russland gegen Deutschland an. Wird interessasnterweise auf zwei Kanaelen uebertragen. Irgendwo im Russischen Fernsehen und ... Surprise, surprise: im ZDF. Ja, das ist das einzige deutschsprachige Programm, was man hier problemlos empfangen kann. In den wenigen Ruhepaeuschen schaue ich mir so die Vorabendserien des Zweiten an, bekomme ich ja sonst nie zu sehen.
Der Abend gestern war lang. Tatort Standard Bar. Die haben hier das beste Schaschlik, hierss es und die Aussage stimmt vermutlich auch. War jedenfalls lecker. Am Nachbartisch stelle sich ein Einheimischer mit weitschweifenden Beziehungen nach Deutschland, der Tuerkei und den USA vor. Dem Slang nach zu urteilen, muss er zumindest laenger in den USA gewesen sein. Es dauer nicht allzulange, und er macht mich mit den usbekischen Sitten vertraut, die den ruissischen irgendwie aehnlich sind.
1. Wodka trinken. 2. Wodka trinken. 3. Wodka trinken. Und das aus 5 cl Bechern. Na denn Na Sdarowje. Dass ich diese Tortur nicht allzulange durchhalte, versteht sich von selbst und so war ich auch schon vor Mitternacht in den Federn. Als dann die Bediening, deren Outfit der werktaetigen weiblichen Bevoelkerung im Frankfurter Bahnhofsviertel zur Ehre gereicht haette, dann auch noch einen Wodka aufs Haus bringt, laesst meine Pupillen wohl endgueltig in den Verschwommenheitszustand uebertreten. Zum Glueck hat der Taxifahrer gleich das Hotel gefunden.
Heute mache ich einen Ausflug ins 90 km entfernte Shakrishabz - eine Stadt, die ich gestern Abend mangels Aussprachemoeglichkieten nur noch als Jacques Chriac bezeichnet habe.
Rund 90 km entfernt geht es ueber usbekische Autobahnen und einen Gebirgspass in die Serafanberge. Die Fahrt ist gegenuerbern den seitgerigen Ueberlandtrips abwechslungsreich. An den Fahrbahnraendern bieten Haendlerinnen Gemuese und Obst an und die Dorfesel hopsen munter auf der Autobahn herum oder blockieren die Passstrasse. Fuer die letzten zehn Kilometer von Kitob nach Shaxrishabz nehme ich dann eine Marschrutka, da das Sammletaxi sich weigert weiterzufahren. Allesdinfs bin selbst ich verbluefft, wie sich sage unmd schreibe 15 Personen in das Kleinstgefaehrt der Marke Daewoo zwaengen.
In Shaxrisabz angekommen, fuehrt der erste Weg gleich am grossen Timur-Denkmal vorbei zu den letzten Resten des "weissen Palastes" Oq Saray. Viel ist wahrlich nicht mehr da von der Sommerresidenz Timurs. Nur mehr die blau gekachelten Pylonen des maechtigen Portals ragen in den Himmel, alles andere muss man seiner Phantasie ueberlassen. P.S. Timur war ein zentralasiatischer Eroberer am Ende des 14. Jahrhunderts und Gruender der Timuriden-Dynastie. Aufgewachsen in den nomadischen Stammeskonfoederationen, strebte er die Wiederherstellung des Mongolischen Reiches an. (Aus Wikipedia, denn der Herr ist hier allgegenwaertig) Die kleine Parkanlage rund um das Denkmal ist bei Brautpaaren ein beliebter Ort fuer die Hochzeitsfotos und heute stehen die Gesellschaften Schlange fuer die besten Plaetze. Lustig, die ernsten Braeute zu sehen, aber Laecheln gilt hier als Zeichen schlechter Erziehung. Zudem feiern in Zelten nebeneinader einige Brautpaare. Bedenkt man, dass von jeder Feier aus Lautsprechern ohrenbetaeubender Laerm erschallt, kann man sich das musikalische Chaos vorstellen. Bei einer Hochzeitsgesellschaft setze ich mich bedingt durch platte Fuesse an den Rand und werde auch fix zu einem Glaeschen eingeladen.
Auf dem Rueckweg dann noch eine Stopp am Dorut Tibovat-Ensemble, das aus einer kleinen Moschee und den Ueberresten eines timuridischen Familiengrabes besteht. Natuerlcih auch hier wieder die fast magischen blauen Kuppeln einer Moschee. In Kitob komme ich auch schnell zu einem Sammeltaxi nach Samarkand, einziger "Zwischenfall": Ein Eselrennen auf der Autobahn.
Am Abend schaue ich mir dann das Fussballspiel im Russischen Fernsehen an. In der legendaeren Blues Bar, wo die Bedienung allerdings kein Wort Englisch spricht und wieder mal mein Minirussisch fuer die einfachsten Sachen herhalten muss. Ich bin der einzige deutsche Fan weit und breit, die Usbeken im Lokal halten alle zu Russland. Als dann nach 90 Minuten due deutsche Mannschaft 1 zu 0 gewonnen hat, ist die Stimmung auf dem Nullpunkt, nur ich trinke gemuetlich noch ein Bierchen.
P.S. In Samarkand gibt es ein reichhaltigers Goldvorkommen, doch nur selten Juweliere. Vermutlich tragen die Usbeken alles Gold im Mund, denn jeder ueber 35 blitzt hier beim Laecheln nicht weiss, sondern im Gold. Da heist es dann beim Ueberfall: Gebiss oder Leben. Lg an H1
| 10. Oktober 2009 |