Es ist 8 Uhr morgens, ich soll abgeholt werden, aber keiner kommt. So gegen halb neun trudelt dann unser Fahrer ein. Waere Stau gewesen - im Autoland Bhutan. Vielmehr hatte unser Freund bis drei Uhr nachts sein Weihnachten gefeiert und hatte dann am morgen einen Aufstehstau in den Federn. Ich hingegen konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Strassenkoeterjejohle ohne Ende. Es ist manchmal Schade, dass man vorm Einchecken am Flughafen immer moeglicher Gebrauchsgegenstaende entledigt wird. Eine Handgranate haette in dieser Nacht Verwendung gefunden.
Urspruenglich sollte es wandern gehen, aber ich entscheide nochmal zum Dzong-Festival zu gehen. Laut dröhnen die Randongs, die Alpenhörner des Himalayas. Das große Maskentanzfest ist wieder in vollem Gange und so um doe 10.000 Zuschauer, deutlich mehr als gestern, draengen sich im Klosterhof des Dzongs. Vier Tage dauern die Festlichkeiten, eine Zeit beindruckender Leistungen für so manche Mönche und Laien, die mit schweren Holzmasken und Gewaendern bekleidet in sengender Hitze ihre akrobatischen Tänze vollziehen. Und waren die Taenze nicht so langathmig, ich waere die vier Tage dort geblieben.
Doch es ging weiter ins vier Stunden entfernte Phunaka, ein Ort in einem malerischen breiten gruenen Tal umgeben von Bergen. Allerdings sieht man durch die Wolkenhaenge die Auslaeufer des Himalaya leider nicht. Punakha ist ueber einen Pass zu erreichen, es geht vorbei an 108 Stupas, die anlaesslich des Krieges gegen Assam vor 4 Jahren errichtet wurden. Ich verstand erst Krieg gegen Indien, aber den haetten die Inder in einer Staerke der Einsatzabteilung der Dorn-Assenheimer Feuerwehr in drei Tagen gewonnen.
Erster Hoehepunkt ist dann der im 16. Jh. erbaute Dzong von Phunaka, einer der groessten und eindrucksvollsten des Landes. Zudem noch am Zusammenfluss zweier Bergfluesse (Mama Fluss und Papa Fluss) gelegen. Das Kloster vermittelt erneut einen tollen Eindruck vom Leben und der Kultur Bhutans, wo Religion und Alltagsleben aufs Engste miteinander verbunden sind. Leider durfte auch hier wieder nicht im Inneren fotografiert werden, denn die Gebetsraeume in ihrer Farbenpracht und Dimension der Figuren waren sagenhaft. Auch als Nichtbuddhist kann man von so was beeindruckt sein.
Beeindruckt war ich allerdings auch beim Blick hinter die Kulissen. Da froehnen die Moenche dem Gluecksspiel, beschiessen sich mit Platzpatronen und wechseln ihre Unterwaesche. Dazu mehr im P.S.
Wie wandern noch ueber eine Art Eiserner Steg in Punakha. Rund 1 km ist die Haengebruecke lang und mangels Kenntnis der Bhutanischen Kontruktionskunst wirds mir schon etwas mulmig. Auf dem weg ins Hotel noch ein Stopp am Krankenhaus. Kein Gag, der Fahrer haet an und zeigt mit die Krankenzimmer, Patienten und sogar die Inentensivstation. Trotzdem es sicherlich ein Vorzeigeobjekt war, bei der Kargheit der Ausstattung moechte man dort nicht krank werden. Und die Patienten waren auch nicht gerade guter Dinge.
Ach ja, unterwegs begegnen wir noch dem Koenig samt Verwandschaft, sein Reich hier ist ja nicht so gross und als wir dann spaeter im Hotel mitten im Wald ankamen, war ich so erstaunt ueber alles, dass ich an der Bartheke einchecken wollte. Statt dem Zimmerschlussel habe ich aber ein Bier bekommen. Ein guter Tausch.
