Dienstag, 09.10., 
09. Oktober 2007
Islas del Sol e de la Luna


Dritter Tag auf "Hoher See". Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da, heisst es in irgendeiner Schlagerschnulze, doch auch dort steckt ein Koernchen Wahrheit drin. Jedenfalls  habe ich die Nacht damit verbracht, mit einem gekonnten Mix aus der Reiseapotheke alle Magen-Darm-Probleme zu eliminieren. Andernfalls haette ich mir den Ausflug zu den beiden Inseln im Titicacasee sparen koennen.

Ziel Nr. 1 ist die Isla del Sol. Rund zwei Stunden schippert der bolivianische Kahn ueber den See zur Nordanlegerstelle. Die Insel als ehemaliges Zentrum der Inkakultur bietet eine Reihe archaeologischer Funde. Allerdings meist Ruinen, unter denen man sich alles Moegliche vorstellen kann. Immerhin ist hier einer der Goetter der Inkas geboren und deshalb ist der See auch ein heiliges Areal. Auf dem Weg zum Ruinenkomplex von Marka Pampa treffen wir einen Schamanen, das sind hier die Geisterbeschwoerer und Naturheilkundler. Dieser hatte auf einem Tisch allen Bedarf fuer seinen Zauber aufgebaut und offerierte uns eine halbstuendige Session. Nach dem Zauber gibt es dann noch einen Segen und dann kann rein gar nichts mehr passieren. Allerdings haben auch Schamanen ihren Preis und so kommt trotz meines Interesses kein Deal zustande. Dennoch konnte ich es nicht lassen, eine spanisch sprechende Begleitung zu einem Test zu animieren. Diese sollte den Meister der Zauberkunst doch mal nach einem fixen Rezept gegen meine Magen-Darm Beschwerden befragen. Also Beiersdorf gegen Inselzauber. Der Schamane fing tatsaechlich an, irgendwas zu beschwoeren - doch bei meiner nachtlichen Chemiepackung haette wohl jeder Zauber gewirkt.

Wir zogen wieder ab und durchwandern die Insel von Nord nach Sued. Rund 4 Stunden bergauf und bergab brachten zumindest mich ins Schwitzen, doch die Landschaft entschaedigt fuer alles. Am Wegesrand authentische Inka-Terassen, ein kleines Museum und natuerlich unzaehlige Haendler.

Auf der Rueckfahrt darf ich sogar einmal das Boot lenken, was ueberraschenderweise auch keine nennenswerten Katastrophen nach sich zog. Wieder in Copacapana angekommen, saust ein eisiger Wind durch die Strassen. Auf einer Geschaeftsstrasse wirbelt der Wind das gesamte Sortiment der Haendler durch die Gegend. Klopapierrollen und Plastikflaschen sausen mir um die Ohren und eifrige Marktfrauen machen gezielt Jagd, um ihre Waren wieder aufzusammeln. Ich bin vom Wandern so muede und bekomme das nur noch am Rande mit.

P.S. Meine Postkarten habe ich noch nicht abgeschickt. In Peru habe ich die Briefmarken verbummelt und in Bolivien gibts keine. Nach Auskunft der Postelle vom Montag in dem 20.000 Einwohner Ort Copacabana kommen erst Donnerstag wieder welche. Auch mein Hotel wartet seit einer Woche. So hat die Post auch keinen Stress. Lg an H1.