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Freitag, 09. Oktober, Samarkand
Moin, moin. Erneut aus Samarkand.
Zunaechst bin ich ueberrascht, von wem der Blog doch so alles gelesen wird. Denn die Rueckmeldungen fuellen die Mailbox stetig.Ueblicherweise sendet man Gruesse aja aus dem Urlaub, aber heute gebe ich den Ball mal zurueck an alle, die mir einen tollen Urlaun wuenschen. Viele Gruesse aus Usbekistan.
Zur Zeit teste ich das Kneipenwesen in Samarkand. Es gibt genau drei Geheimtipps, also optimal, um an den drei Abenden einen guten Ueberblick zu gewinnen. Gestern Abend gings in die Cinzano Bar. Hat allerdings nichts mit Cinzano zu tun - denn russisch ist hier Trumpf. Wir befinden uns mitten im Treffpunkt der 18-28 jaehrigen in Samarkand. Englisch kann hier keiner, also muss mein 0815 Russisch herhalten.
Immerhin gelingt es mir ohne Speisekarte eine Pizza zu bestellen, nur bringe ich Wurst und Fleisch durcheinander. Und so bekomme ich statt der erwarteten Salamipizza ein Hackfleischexemplar. Im Lonely Planet steht, die Pizza hier sollte man unbedingt probieren. In meinem Reiseblog steht: lass es oder streue die vor Dir stehende Pfefferbox komplett auf die Pizza, wenn Du was schmecken willst. Allerdings: Hackfleisch ist ja bekanntermassen so eine Sache und so fuehrte mich der Weg direkt zum .... Plumpsklo. Auf weitere Einzelheiten verzichte ich hier lieber.
Dennoch - mein Russisch versagte auch an der zweiten Stelle. Die vier Jungs an der Theke luchsen mir nachdem ich denen ausfuerhrlich ein Wuerfelspiel erklaert habe bei genau eben diesem eine Runde Bier ab. Das 0,5er fuer 80 Cent, man kanns verkraften.
Heute bin ich trotz allem frueh auf den Beinen. Statt zu den Sehenswuerdigkeiten gehe ich zunaechst in die Wohn- und Geschaeftsbezirke. Auch da gibts etwas zu erleben. An irgend einer Kreuzung ist gerade ein Lada in eine Lad(a)ung Zwiebeln geballert. So um die zwei Paletten. Ein Riesenaufruhr - der Eigentuemer hat getobt wies Rumpelstielzchen in Person. Neugierig wie der Mensch nun mal ist, habe ich mich zum Ort des Zwiebelkmassakers bewegt und zugeschaut. Kaum war ich da, kam die Miliz und wollte die Ausweise der Beteiligten sehen. Ausgerechnet heute hatte ich noch nicht mal ne Kopie dabei. Da ich nicht die geringste Lust hatte, das Theater von vor 5 Monaten in Moskau nochmals mitzumachen, gabs nur eins: Abwarten, bis der Herr von der Miliz anderweitig zu tun hat ..... und sich dann schnell aus dem Staub machen. Hat geklappt.
So - dann gings zum Registan. Samarkand ist eine moderne Stadt, denen die sowjetischen Plattenbauten erspart blieben. Die 2700 Jahre alte Stadt an der Seidenstrasse hat dennoch nichts von ihrer Faszination verloren. Warum ? Die Stadt erlebte im 12. Jh. ihre erste Hochkultur und stand auf gleicher Hoehe mit Rom, Athen und Persepolis. Das heutige Samarkand waere, wuerden nicht ueberall die blauen Bauwerke des Timur (Dorfheiliger - siehe Blog von Gestern), eine eher langweilige Stadt mit wenig Athmosphaere. Da aber die Architektur des 12.-17 Jh. allgegenwaertig ist, wirkt die Stadt kunstvoll mit einem Hauch Gigantischem. Denn letztendlich dienen alle Bauwerke nur dreierlei: Kaoranschulen, Moscheen, Mausoleen.
Der Registan ist das Zentrum Samarkands, suedwestlich befindet sich der Platz der Maerchenerzaehler. Heute tummeln sich hier allerlei Geschaeftsinhaber, die ueber ihre Waren auch das eine oder andere Maerchen zu erzaehlen wissen.
Interessanterweise wird man von vielen Studenten angesprochen, die an der Uni Deutsch lernen. Deutsch sei die Wirtschafts- und Touristensprache und wichtiger als Englisch in dieser Gegend. Sie stellen ihre Stadardfragen, sprechen gut Deutsch, aber verstehen nichts von den was ich sage oder beantworten keine Frage die ich stelle. Wir probieren dennoch den Gedankenaustausch und nach cirka einer Stunde Konversation ziehen sie zufrieden von dannen.
Ich ziehe heute zum Cafe Standard. - die Nummer zwei meines Tests der Gastronomie von Samarkand.
P.S.: Den Wodka trinken die hier aus 5cl Bechern. Als ich einmal absetze, lachen sich die Usbeken schlapp und rufen: Am Wodka trinken erkennt man die deutschen Spionen. Vermutlich alte KGB-Weisheit. Lg an H1.
| 09. Oktober 2009 |