Donnerstag, 09.10., Thimphu Tschechu
09. Oktober 2008


Heute ist Weihnachten. O Du froehliche, o du selige ....  Kein Witz, hier im Buthan ist heute grosses Fest, es wird getrunken, womit mich schon am fruehen Nachmittag mein Fahrer ueberrascht und es gibt Geschenke. Nich fuer mich, denn ich sitze ja nicht mit unterm fiktiven Tannenbaum. Stattdessen mach ich Hausbesuche in Thimphu. Was die letzten Wochen im Buergermeisterwahlkampf so gut ankam, kann ja hier nicht falsch sein. Doch dazu am Schluss meiner Betrachtungen.

Heute , und die kommenden vier Tage ist das Tschechu, ein religioeses Festival. Religiöse Feste in Bhutan haben einen hohen Stellenwert in der kulturellen Identität. Die Maskentänze am Thimphu Tshechu haben eine lange Tradition und bieten einen Einblick in die buddhistische Gedankenwelt im Himalaya. Die Tshechus ziehen sich meist über mehrere Tage hin, während der die Menschen aus dem Umkreis in den Dzongs, ein riesiges, farbenpraechtig geschmuecktes Kloster zusammenkommen, umder Musik zu lauschen und die Tänze zu sehen.

Viele Masken, wie beim Tanzder Herrn der Urnenfelder sind zu sehen, ebenso die vielen Taenzer und Taenzerinnen. Die Taenze sind alles etwas langathmig, dauern auch bis zu zwei Stunden. Man ist aber trotzdem so gefesselt, dass ich von 9 Uhr morgends bis 5 Uhr Abends dableibe.

Ein unabdingbares Element jedes Tshechus sind aber auch die Clowns , die fuer jeden Schabernack zu haben sind. Spaeter mischen sich Gestalten mit bunten Fahnen am Kopf und kleinen Trommeln unter die Menge und berühren mit ihren Trommelstöcken die Köpfe der Besucher um sie so von allem Unreinem, was auch immer darunter zu verstehen ist, zu befreien.

Tshechus sind auch ein Forum für soziale Kontakte und gesellschaftliche Treffen. Zu diesem Anlass kommt man daher in Festtagskleidung. Die Damen besonders farbenpraechtig und schick herausgeputzt, die Kiddies froehlich und kontaktfreudig. Man bekommt viel Kontakt und allein das Sightseeing der Leute und dem was sie tun, ist schon ein interessanter Zeitvertreib. Ein Kind schreibt die Namen seiner Freunde auf ein Blatt Papier, eine Amerikanerin revanchiert sich und schreibt die Namen Ihrer Familie auf. Bezeichnenderweise kommt der Hund vor der Tochter. Da ich keinen Hund habe, beschraenke ich mich bei meinen Daten auf das allernotwendigste.

Es ist kaum 40 Jahre her, dass es in Bhutan Schulen, Spitäler, geteerte Strassen, Post, Telefon, Zeitung oder Polizei gibt und Fernsehen war bis 1998 sogar verboten. Tshechus waren daher über Jahrhunderte eine der wenigen Möglichkeiten am öffentlichen Leben teilzunehmen, dies merkt man heute noch.

Gegen fuenf Uhr versuche ich in der der Stadt a) was zum Essen und b) ein Internetcafe zu bekommen. Letzteres gestaltet sich schwieriger als erwartet. Denn wie gesagt es ist so was wie Weihnachten hier und die Geschaefte haben nur so peu a peu offen. Zudem sind die Internet Cafes immer irgendwo im ersten oder zweiten Stock versteckt. Schon beim ersten Versuch lande ich ueber eine dunkle Treppe im zweiten Stock und erblicke einen Splat Licht. Die Tueren in Bhutan werden normalerweise von aussen mit einem Schloss verriegelt, wenn jemand zu Hause ist bleibt die Tuer meist angelehnt. Ich stosse das Tuerchen auf, links die Toilette, rechts ein Schlafzimmer. Ups, schein wohl doch kein Internetcafe zu sein. Das Hausmaennchen schaut mich verdutzt an und ohne ein Wort zu sagen zu seiner Frau: Muss wohl fuer Dich sein. Wenn der Postmann zweimal klingelt ....

Das gleiche passiert mir noch zweimal. Jetzt kenne ich die Zimmer des Personals vom Norling Restaurant (weniger schick) und die Wohnung vom Herrn Pema. Einen Internetanschluss hatte der aber auch nicht.

Nach so viel Stress bin ich aufs Festival am Uhrenturm. Asiapop mit tanzenden Grupppen in Bhutantracht. Na ja.

Verkehrsberuhigung a la Bhutan. Jede Menge Kuehe heute auf der Strasse, da rast keiner. Vielleicht ein Model fuer den neuen Buergermeister. Billige Unterhaltskosten und der Erloes vom Milchverkauf fliesst in die Stadtkasse. Lg an H1.