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Donnerstag, 08. Oktober, Samarkand
Moin, moin aus Samarkand. P.S. Die heimische Waehrung ist der Sum. Ein Euro sind 2200 Sum. Der groesste Geldschein ist ein 1000er, also 40 Cent. Heute habe ich 50 Euro bei der Nationalbank getauscht, die hatten nur 500er. Mit einem Rucksack voller Scheine und 45 Minuten hin und her-zaehlens bin ich wieder abgeduest. Wenn da mal jemand Bares fuer einen Neuwagen braucht. Lg an H1.
Der Blog wird heute kurz. Erstens ist nicht allzuviel passiert und zweitens bin ich hundemuede. Da bin ich nun, im sagenumwobenen Samarkand, der Inbegriff muslimischer Baukunst ausserhalb der arabischen Welt. Von Buchara ging es mit dem Zug, in knapp drei Stunden schafft die moderene usbekische Staatsbahn die 300 km kange Strecke. Drei Klassen gibt es hier, die Luxus-, die Coupet- und die dritte, naemlich meine Klasse, und die heisst, Platzkartny. Wieder eines dieser lustigen Worte wie Butterbroti, Marschrutki, Rucksacki, die aus dem Deutschen uebernommen wurden. Ganze sieben Euro kostet der Spass und man bewegt sich wie im IC (nicht ICE). Bahnfahren ist Funs in Usbekistan, aber langwielig, weil draussen nur oede Wueste, auch Hungersteppe genannt und ab und zu ein Baumwollfeld zu sehen sind. Ich habe gar nicht gewusst, dass Baumwolle sowohl weiß als auch rosa bluehen kann.
Am Bahnhof in Samarkand entgehe ich ausnahmsweise mal dem taeglichen Aerger mit den Taxifahrer und nehme fuer ganze 15 Cent ein Marschrutki, ein Sammeltaxi, in die 6 km entfernte Innenstadt. Interessanterweise ist mein Hotel mitten in der Innenstadt, aber leider gibt es eine solche gar nicht. Denn die Stadt verwundet mich sehr, alles niegelnagelneu, nur die Moschen, Medressen und Mausoleen aus dem 12-16. Jahrhundert sind irgendwie dazwischen gepackt.
Das Hotel ist zwar gut, aber von aussen ziemlich haesslich. Doch der Ausblick auf die Moscheen des Registan-Platzes und die tuerkisen Kuppeln entschaedigt fuer alles. Ich wandere etwas herum wie zur Moschee Bibi Khanum, die Timur, das ist hier der Dorfheilige im 15. Jh. zu Ehren seiner Schwiegermutter (!) gebaut hat. Feuerspeiende Drachen sind in den Ornamenten allerdings nicht zu erkennen. Gleich daneben liegt der große Basar von Samarkand. Mit dem Gewuerzhaendlern halte ich ein laengeres Schwatzchen, auch dieser Freund hat irgendwann einmal bei der Roten Armee gedient und kennt einige DDR-Staedte noch aus der Garnisonszeit. Mit ihm mache ich sogar eine kleine Fuehrung durch den bunten Basar, auf dem neben Gemuese und Fruechten, auch allerlei Unbekanntes wartet: Ein spezieller Kautabak, den ich gleich wieder ausspucke und nicht zu vergessen, meterhoch tuermen sich die Arbus (Wassermelonen) auf. Ein beliebter Durstloescher hierzulande.
Daneben gings noch in die Graeberstadt Bibi-Hanim, ein ganzes Areal verschiedenster Mausoleen. Auf den Graebern liegen Geldscheine, in einem Mausoleum mit gleich vier Graebern unterschiedliche Summen. Mal nichts, mal mehr, mal noch mehr. Ob da auf die Auferstehung gewettet wird ?
Das naechtliche Samarkand kann man getrost ignorieren, es gibt hier eine Blues Bar, wo der Wirt erst zumacht, wenn der letzte Gast gegangen ist (sehr verlockend) und die Chinzano Bar, wo sich sich Einheimischen herumtreiben sollen. Ich entscheide mich fuer letzteres und werde mich morgen hierzu ausfuehrlich melden. Dann gibts auch mehr aus dem kulturellen Samarkand.
| 08. Oktober 2009 |