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Sonntag, 07.10., Islas Flotantes (Uro) und Taquile
07. Oktober 2007
Puno habe ich in knapp zwei Stunden abgefruehstueckt, denn die Stadt ist weniger der Anlass hier einen Stop zu machen. Puno liegt am Titicacasee und der wird heute von der peruanischen Seite unter die Lupe genommen. In der Literatur findet man die Aussage, Titticaca sei mit ueber 3800 m ueber Null der hoechstgelegene See der Welt. Das stimmt zwar nicht, doch in diesen schwindligen Hoehen ist der erste weite Blick ueber Landzungen, Inseln und die unendliche Weite des blauen Wassers schon faszinierend. Nach soviel Bergen ist eine Erholung auf "See" auch ganz in meinem Sinne.
Zunaechst geht es zu den schwimmenden Schilfinseln der Uros. Man hoert richtig, die Inseln sind sebstgebastelt. Aus Schilf und einem undefinierbaren Pflanzengemisch, was das Schilf zusammenhaelt. Und was sich dort abspielt, ist mehr als interessant. Zunaechst beobachtet das Auge gelangweilte Einheimische, die gerade ihr Kunsthandwerk ausbreiten. So sechs bis sieben Schilf (was sonst) - Haeuser stehen auf der Insel, ein kleiner Feuerplatz und ein schilfgezimmerter Aussichtsturm. Wir steigen aus, und der Boden beginnt zu sinken, als wuerde man ueber ein Wasserbett gehn. Die Uros erklaeren uns zunaechst die Architektur der Insel. Denn diese muessen staendig ausgebessert werden, da sich das Schilf mit Wasser vollsaugt, verrottet und sonst absinkt. Ansonsten treiben die Inseln frei im See. Wer da mal einen im Kokatee hat, findet sein Inselchen so schnell nicht wieder.
Nach weiteren 2 Stunden auf dem Boot das naechste kleine lebendige Museum, die Isla Taquile. Keine Strassen, keine Autos, keine Fahrraeder - alles wird zu Fuss erledigt. Nur buntgeschmueckte Herren und sehr schwarz gekleidete Damen. Mag sein, weil es Sonntag ist, ich weiss es nicht. Die Damen sprechen kein Spanisch, nur eine Indiosprache und der Tourguide weiss auch nicht viel. Ueberall sieht man strickende Maenner, die ihre langen Zipfelmuetzen selbst herstellen.
Erst ein kurzer Abstecher in die Webereigenossenschaft und urploetzlich kommen aus einer kleinen Kirche rund 20 buntgekleidete Maenner und Frauen, es ist der Dorfrat. Der hat gerade getagt und steht nun komplett vor dem Rathaeuschen und verliest die Beschluesse. In etwa so wie die Stadtverordnetenversammlung in Reichelsheim. 31Mitglieder plus 6 Magistraete, aber nur 5 Zuhoerer. Die fuenf klatschen aber kraeftig und so klatsche ich mit. Was auch immer da beschlossen wurde. Nach zwei Stunden verlassen wir das Eiland der goettlichen Ruhe und schippern rund drei Stunden nach Puno.
Das war der letzte Teil des Peru-Tagebuchs. Am kommenden Sonntag gehts noch mal nach Lima, aber nur zwecks privater Bescuhe. Ab Morgen steht Bolivien auf dem Programm. Start ist Copacabana, die oestliche Seite des Titicacasees.
P.S. Auf Uro sehe ich nur reifere Damen und Kids. Die reiferen Herren sucht man vergebens. Sitzen wohl auf einer anderen Insel, wo´s eine Schilfkneipe gibt. Allen Lesern einen schoenen Start in die Woche und lg an H1.