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Mittwoch 07. Oktober, Buchara
Moin, moin aus Bukhara !
Ein ganzer Tag in Bukhara, es ist der erste wo ich Abends ins gleiche Bett gehe, aus dem ich am Morgen aufgestanden bin. Wenn wir mal den Tag in Almaty vergessen, wo es erst um 4 Uhr Mittags aus den Federn ging. Das usbekische Fruehstueck ist gewoehnungsbeduerftig, aber der Kaffee echt orientalisch stark. Da das Hhotel in bestem usbekischen Stil direkt vor der Altstadt liegt, mache ich erst mal einen Bummel abseits der ueblichem Touristenpfade, mitten ins Leben, wie man so sagt. Da ich keine Lust habe, auf eine Stadtfuehrung zu warten, erkunde ich neugierig wie der Mensch nun mal ist, die Umgebung selbst.
Eine kleine uralte Moschee auf der anderen Straßenseite. Eine alte Frau mit Kopftuch fegt die Stufen der Moschee. Irgenwie erkennen hier alle, das ich aus Deutschland komme. Die Kinder begruesst man noch mit dem englischen Hello, Maenner eher russisch mit Droby Djen oder dem muslimischen Salam, was dem arabischen Salem Aleikum entspricht. Und die Oma um die Ecke freut sich ueber ein original hessisches Tach. Nur einmal, eben vor der kleinen Moschee vergreife ich mich in der Wortwahl. Statt einem Salam rutscht mit ein Schalom heraus, was der Angesprochene doch eher mit einem unglaeubigen Blick kommentiert.
Es geht weiter - nomen est omen - durch das alte juedische Viertel. Die Straßen sind unbefestigt. Hohe fensterlose Mauern rechts und links. Die Gasleitungen sind zusammen mit den Stromleitungen in ungefähr 3 Meter Höhe an den Wänden verlegt. Wahnsinn. Das muesste der Kresifeuerwehrverband mal sehen... Durch enge Gassen schlaengelnd erreiche ich eine Schule und schaue mir die Klassenzimmer an. Leider war der Unterricht schon beendet, doch als ich den Komplex mit Schule, Turnhalle und Kueche wieder verlassen will gibt es eine kleine Ueberraschung: Der Hausmeister oder wer auch immer hatte die Eingangstuer zum Gelaende abgeschlossen. Und so muss der alte, rueckengeplagte Herr H. die gut drei Meter uebers Tor klettern. Na ja.
Das wurde naturlich von drei herumstehenden Kids beobachtet. Schon war ich in bester Gesellschaft. Rund eine Stunde begleiten sie mich durch die Altstadt und zeigen mir ihr Haus, den Shop der Mutter und zu guter letzt den Opa. Der wiederum zeigt sich gastfreundlich und mir seinen Wodkabestand. Mit einem Glaeschen Hochprozentigen endet so der Vormittag. Mittags um 12.
Waehrend solche Begegnungen das eigentliche Salz in der Urlaubssuppe ausmachen, soll eine kleine Attraktion abseits der grossen Sehenswuerdigkeiten nicht verschwiegen bleiben. Wer den Chor Minar (die vier Minarette) nicht gesehen hat, der hat Bukhara nicht gesehen. So oeffnet sich ein kleiner Platz und man steht vor dem ehemaligen Torhaus einer ehemals riesigen Moschee. Außer dem Torhaus mit den vier tuerkis-blauen Kuppeln ist nichts uebrig geblieben. Ein wirklich spektakulaerer Anblick, den der Gruppentourist nicht zu sehen bekommt. Lediglich ein Schafbock, dem man das allerbeste Stueck mit dem Schwanz zusammengeknotet hat, truebt den trauten Anblick. Der Kaffee vom Morgen will sich bei diesem Anblick nicht mehr so ganz im Magen halten. Nach einem Abstecher in einer Tonofenbaeckerei stehe ich urploetzlich vor dem Ensemble der Kolon-Moschee. Wie bestellt, denn ueblicherweise verlaufe ich mich ja immer, wenn ich nicht weiss, wo ich bin, nun aber stand ich dort, wo ich nach Blick auf den Stadtplan eigentlich erst hinwollte.
Dann geht es ab ins Getuemmel durch alte ueberdachte Basare wie dem Gewoelbe der Muetzenmachern und dem der Geldwechseler und nochmals in die mit sagenhaften Mosaiken bestueckten Mederessen und Moscheen hinein. Alles wird ausfuehrlich erklaert, doch jetzt muesste ich die ganzen Namen aus dem Reisefuehrer abtippen, denn das kann sich keiner merken. Hoechstens einige lustige Namen wie die Medresen Uglbeck und Bolo Hauz.Wers fundierter haben moechte, gebe unter www.wikipedia.de den Namen Bukhara oder Buchara ein, da ist alles bestens beschrieben.
Wie gesagt, der Nachmittag spielt sich in den Raeumlichkeiten ab, wo Kunsthandwerk und Teppiche angeboten werden. Manchmal gibt es eine kleine Ecke, wo man aeltere Herren beim Domino oder einem Brettspiel trifft, dessen Name mir im Moment nicht einfaellt. Woanders werden Scheren, Metallteller, Malereien und anderes handwerlich gefertigt. Die dunklen Basare, die voller Souvenirhaendler sind, scheinen die lebendigsten Orte der Stadt zu sein.
Die Sonne brennt unbarmherzig und mir tun die Fuesse weh. Nach einem Nickerchen bin ich aber wieder fit, um den Labi-Hauz-Komplex, in dessen Mitte ein Teich unter alten Baeumen liegt zu erkunden. Das ist hier mehr oder weniger der Mittelpunkt der Stadt. Es gibt einige Restaurants, die ihre Tische direkt am Wasser aufgestellt haben. Hier kann man sitzen, ein Bier trinken, und alles rundherum beobachten. Ein Internet-Cafe gibt es auch, allerdings ist die elektronische Infrastruktur laienhaft. Es ist schon ein Glueck, einen PC zu finden, wo ich mich bei einer eigenen Homepage einloggen kann - und das auch nur mit einigen Tricks und mangelnder Darstellungsweise.
Am Abend gehts ins Puppentheater, es wir eine Hoechzeit aufgefuehrt. Interessanterweise sind die Puppen nicht nur aus Holz und Stoff, die Damen fuehren gleich selbst einige usbekische Taenze auf.
So, jetzt grummelt es in meinem Magen schon wieder bedenklich. Ich lasse mir gleich um die Ecke ein Schaschlik plus Bier schmecken. Das ist das einzige , was ich auf der usbekischen Speisekarte dort entziffern kann.
P.S. In dem Restaurant sind Wasserpfeifen aufgestellt. Haben Sie in eine solche, statt zu rauchen einmal reingeblasen. Versuchen Sie's mal. Lg an H1.
| 07. Oktober 2009 |