Heute heisst es vorerst zum letzten mal, den halben Tag oder mehr im Auto zu sitzen. Der Trip fuehrt von der Grenzstadt Phuentsholing in die Hauptstadt Thimphu. Da ich die Bhutan Gate gestern nur im Dunkten fotografieren konnte, reise ich heute noch mal kurz nach Indien und schreite durch das Tor, und schwupps bin ich wieder in Bhutan. So einfach geht das hier. Die Grenzer schauen etwas verwundert, doch die Chance lasse ich mir nicht nehmen.
Doch eines zunaechst vorweg. Nach Bhutan kann man nicht einfach so einreisen und sich umschauen wie man moechte. Ich mustte mich ueber eine Reiseagentur vor Ort registrieren lassen und von dort wird auch alles geregelt. Das fuehrte sogar soweit, dass ich in dem Hotel, wo ich einquartiert war, noch vor dem Schlafen gehen, was trinken wollte. Kaum das Bierchen bestellt, klingelt das Telefon und --- es war fuer mich. Interessant, wer doch so alles weiss wo ich mich gerade aufhalte, sonst werde ich ja ziemlich selten in der Kneipe angerufen. Naja, vorm Bettgehen dann noch ein Gruss in Schwarz Rot Gold. Als ich mich waschen wollte, glitzerte das Handtuch in den Deutschland Farben. Dass die Schwaerze vom Staub der Bishinreise kam, war noch nachzuvollziehen, die rote Faerbung war schon verwunderlich, die Herkunft der gelben Flecken jedoch werde ich wohl nie in Erfahrung bringen.
Also gehts los nach Thimphu. Den Klapperbus von gestern habe ich gegen einen fast nagelneuen Hyunday getauscht. Leider wird die Nationalstrasse Dienstags ausgebaut, somit war schon eine laengere Anreise zu erwarten. Die schwierigere Aufgabe war freilich, einen Passierschein zu bekommen. Diese waren Ambulanzen und der Polizei vorbehalten. Nun war ich weder Krankenwagenfahrer, noch Dorfpolizist. Einzige Ausnahme, ganze zwei Touristenvisa wurden ausgestellt. Zum Glueck bestaetigte sich meine Vermutung von gestern, dass ich wirklich fast der einzige Tourist in der Gegend war. Good luck - was will man mehr.
Rund achteinhalb Stunden brauchten wir fuer die 172 Kilometer, Pausen eingerechnet. Die Bauarbeiten sorgten doch fuer Verzoegerungen. Allerdings kein Problem, die Landschafts ist gruen, huegelig und bietet ein herrliches Panorama. Nichts spektakulaeres, aber es wird auch nicht langweilig. Serpentinenmaessig schaukeln wir uns die Strassen hinauf, manchmal schneller, an den Baustellen langsamer. Viel Schlamm auf den Wegen, aber der Wagen und besonders der Fahrer schafft das. Die Bauarbeiter, so meine Information, kommen alle aus Indien und ca. 50 Prozent sind hier Frauen, die auf der Strasse Steine schippen oder andere Hilfsarbeiten erledigen. Nicht selten, aber oft: auch noch das Kind im Arm.
Was auffaellt, ist die unberuehrte Natur. Keine 1000 Werbeplakate, alles so wie es es einst geschaffen wurde. Denn als kleines, sehr auf seine Kultur und Traditionen bedachtes Land mit beschränkten Ressourcen, verzichtet Bhutan auf den Massentourismus, wie er in Indien oder Nepal zu beobachten ist. Bhutan geht seinen eigenen Weg und die Klaus Wowereit sagen wuerde, dass ist auch gut so. Die Menschen sind freundlich, das Restaurant, wo wir Mitttag essen ganz im Bergambiente gestyled und dann noch eine kleine Ueberraschung, das Bier hat hier 8 Prozent Alkohol. Ich genehmige mir ein Grosses und hatte fuer den Rest des Nachmittags ausgesorgt.
Im Dunklen kommen wir in Thimphu an, so dass ausser dem Stadttor nicht allzuviel zu sehen ist. Seit April tasuche ich fleissig E-Mails mit Pem Dem aus. Sie wohnt hier in Thimphu und hat mich zum Abendessen eingeladen, also nichts wie hin. Zunaechst ein wahrer Kulturschock. Die Wohnung ist mega-westlich eingereichtet, die vier Kids spielen Klavier und Gitarre. Also werde ich erst mal mit den Koestlichkeiten der Bhutanischen Kueche verwoehnt - lecker, lecker. Man ist hier sehr informiert ueber das Weltgeschehen und beim Glaseschen Wein wird der Abend lang.
P.S. Frauen in verantwortungsvollen Positionen werden in Bhutan erfurchtsvoll mit Madame angesprochen. Ivh denke, wir sollten das beim TSV auch einfuehren. Lg an H1.
