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Dienstag, 06. Oktober, Buchara
Moin, moin aus Buchara.
Buchara - alte Reiseberichte lassen erahnen, wie diese Stadt vor 100 Jahren wohl ausgesehen hat: Maerchenerzähler, Kamele, Männer mit Turbanen ...Davon uebriggeblieben sind vor allem die Bauten, Moscheen und Medressen. Weitgehend neu renoviert und denen in Chiva nicht ganz unaehnlich. Die Usbeken haben ihren eigenen Baustil, gruene Tuerme, quadratisch uebergrosse Eingaenge. Noch faszinieren,. aber da in allen Zentren identisch zumindest von der Bauweise auf die Dauer etwas eintoenig.
Rund 500 km ist Buchara von Chiva entfernt. Heute morgen treffe ich meinen Freund von Gestern, den mit dem Lada. Der Lada hat sich erholt und auch mein Freund ist bester Laune, da ich noch keine Ahnung habe, wie ich nach Buchara kommen soll, frage ich nach einem Tipp. Den hat er als Txifahrer natuerlich parat und nach nur wenigen Minuten Wartezeit kanns los gehen. Ueblicherweise faehrt man die Strecke mit einem Bus, das dauert einen Tag oder man such sich ein Shared Taxi, wo vier Leute plus Fahrer drin sitzen, das spart jede menge Zeit. Der Freind des Lada-Taxlers ist heute so gar beiet mit nur zwei Passagieren loszuduesen, da er unterwegs noch einen Auftrag hat. Das Auto ist allerdings wenig vertrauenserweckend, weniger die Marke, ein Deewo als die 21 (!!!) Spruenge in der vorderen Glasscheibe und der Fahrstil des Piloten. Richtig - des Piloten. Denn dieser hielt sich mindestens fuer Michael Schumacher und fuhr die Strecke in einem atemberaubenden Tempo. Zum Glueck waren die Strassen weitgehend in Ordnung und nach rekord verdaechtiger Fahrzeit von 4 Stunden bin ich in Buchara angekommen. Das kling zwar jetzt eher solide, doch bedenkt man , dass alle 40 km das Militaer steht und die Ausweise kontrolliert, wurde man ganz schoen durchgeschuettelt. Zumal klein Schumacher noch waehrend der hlaben Fahrt per Handy mit seiner Liebsten - alle zehn Sekunden sagte er Baby - und sonstigen Plagegeistern telefonierte. Selbst seine Mittagspause war so kurz, das ich gerade nochmal kurz hinter die Polizeibarrieren zum Erledigen eigener Geschaefte kam.
Die Stadtplaene von Buchare sind ziemlich verwirrend, ganz anders wie in Chiva. Die Orientierungslosigkeit hat mit mir ja schon immer das beste Opfer gefunen. Leider ist die Stadt auch um die Mittagszeit menschenleer, die Usbeken sind wohl eine Ableger der Siesa-versesenen Spanier. Irgendwann stosse ich auf eine maechtige Burg, die ich zumindest in meinem Lonelz Planet Plan entdecken kann. Es sind die Mauern des lokalen Ark (eine ehemalige Festung). Innen nocht so dolle, aber man hat einen tollen Blick auf die Altstadt und kann viele Fotos schiessen. Vorausgesetzt, man gibt dem
Aufseher etwas Bakschisch. Den Aufgang emport stehen Haender, die mich im feinsten Deutsch ueberraschen wie ein uraltes Mueterlein, das mis von der Expo in Hannover erzaehlt, wo ihr Sohn einen Preis auf seine Bilder erhalten hat. Leider hat ihm das genauso wenig genuetzt wie Hannover die Expo. Spaeter kommt ein wohl ehemaliger Soldat und ruft als Kamerad, Kamerad. Die einzigen Fetzen die er sonst noch hervorbringt sind Potsdam, Magdeburg und noch was im Osten. Es stellt sich heraus, das er bei der sowjetischen Arme in der DDR stationiert war. Das haben die Geschichtsschreiber somit vergessen: Deutschland war einmal von den Usbeken, zumindest von einem besetzt. So unterhalten wir uns noch ein Weilchen und ich erfahren noch einiges über Usbekistan, z.b dass er jetzt als Polizist 60000 Sum pro Monat verdient (ca 30 Euro), die Monatsmieten ca 3000 Sum betraegt (ca. 1.50 Euro). Wasser, Elektrizität und Gas ist kostenlos und der Liter Benzin ist fuer unglaubliche 40 Cent zu haben..
Weiter gehts zu den vielen Medressen, zuminest denen die oeffentlich zugaenglich sind. Praechtige Innenhoefe mit Kreuzgewoelbe und die nicht zu übersehenden tuerkisen Kuppeln (sehen so aus wie die Melonen auf dem Markt, nur etwas heller). Der Tourismus kommt gut in Schwung, allerorten begegnet man europaeischen Reisenden. In den Innenhoefen wird gehandelt, musiziert und so manches mehr. Am ersten Tag goenne ich mir nur ein paar kurze Blicke, morgen kuemmere ich mich um die Feinheiten.
Es fällt allerdings auf, dass in Usbekistan die Moscheen zu reinen Touristenattraktionen verkommen. Anstelle der Koranschüler findet man innen jede Menge Teppichläden, Souvenirshops,
und anderes. Gekauft habe ich nichts. Die Waren sind qualitativ und vom Nutzen her deutlich besser als in Chiva, aber einkaufen gehts erst in Samarkand. Am Abend will ich noch ins Puppentheater - das ist hier der Renner. Aus der einen bin ich gerade rausgeflogen, die war nur fuer Gruppenreisende, die andere beginnt in zehn Minuten, deshalb mache ich jetzt auch Schluss.
P.S. Heute habe ich die Fussballergebnisse vom Wochenende studiert. Vermutlich war am Samstag der Rot-Kreuz Wagen wieder in der Assenheimer Strasse 19a. Sauerstoff vorbeibringen. Lg an H1.
| 06. Oktober 2009 |