Nun also bin ich da - in Bhutan. Und wie jedes buddische Land , das ich kenne, betritt man die Grenze durch ein Tor, hier das Bhutan-Gate, das die Grenze vom indischen Jaigon zur Stadt Phuentsholing markiert. Doch die Ernuechtrerung folgt auf dem Fusse, keine Immigration, kein Stempel im Pass, kein nichts. Gott und die Welt geht hier ueber die Grenze, seinen es Inder, Bhutanesen oder Nepali. Doch den einzigen Europaer, den man hier sieht - das bin ich.
Zunaechst eimal faellt im deutlichen Kontrast zum chaotischen Indien auf: Ein aeusserst geregelter Strassenverkehr, kein militantes und unendliches Hupenm, eine Wohltat fuer die gestressten und beinahe tauben Ohren nach vier Tagen in Indien.
Der Status von Phuentsholing als zollfreie Zone erlaubt es Touristen, hier eine Nacht ohne Visa und Zollformalitaeten verbringen zu duerfen. Diese darf ich dann allerdings morgen erledigen. Ansonsten ist es schon ziemlich Dunkel, so dass ich mich auf das wesentliche beschraenke. Das Zentrum besteht aus Gross- und Einzelhandelsgeschäften, die Lebensmittel, Papiererzeugnisse, Reifen, Baumaterialien und was weiss ich noch alles verkaufen. Irgendwie schon fast europaeisch. In der einzigen Kneipe des Ortes bekomme ich ein autralisches Bier - der Unterschied zu Indien kann wirklich nicht groesser sein. Auch die Architektur zeigt sich ueberraschend - fast schon wie im Allgaeu. Grosse vier bis sechsstoeckige, viereckig massive und bunt, aber fast schon nach Muster bemalte Hauser. Da werde ich mir morgen das ganze mal naeher ansehen muessen.
Wo liegt eigentlich Buthan, denn die meisten zu Hause denken bei dem Wort meistan das Gas Buthan. Nichts von dem. Im Norden des indischen Subkontinents, an den Suedhaengen des Himalayas, versteckt sich das Land. Im Spannungsfeld zwischen Indien und China ist es dem Koenigreich allerdings dadurch gelungen, seine Identitaet zu bewahren.
Damit das auch kuenftig so bleibt, hat der Koenig die Losung ausgegeben, dass das Bruttonationalglueck wichtiger ist als das Bruttoinlandsprodukt. Denn nur langsam oeffnet sich das Land den ausländischen Touristen, heute wird es wohl nur einer gewesen sein.
Den Tag ueber selbst ist wenig passiert, die Anreise aus Darjeeling war doch recht anstrengend, mit tun vom Fuss bis zu den Knien alle Koerperteile weh. Der Trip im Jeep von Darjeeling nach Siliguri war wieder ein typisch indischer Kamikazeritt. So auf halber Strecke sahen wir einen Jeep auf dem Kopf liegend, direkt auf der parallel verlaufenden Eisenbahnschiene. Kommentar des Fahrers, der Zug wird wohl heute Verspaetung haben. Als ich noch dachte, warum soll es den Indern besser gehen wie mir im taeglichen Berufsverkehr, seht so 500 Meter weiter ein Maennchen, ohne Schrammen, bester Laune und fragt, ob wir wohl seinen Jeep wieder aufrichten koennen.
Ich habe noch nie so viele Leute auf einem Quadratmeter in einen Bus eingepfercht gesehen. Ob Kind, ob Kegel, alles wird zusammengequetscht, da sichert mit mein Platz am Eingang wenigstens noch etwas Frischluft. Und im gedraenge ziehen Frauen aus ihren Roecken alte Plastiktueten, aus denen sie die Zutaten fuer ihren Pan hervorkramen: Das sind Bethelblätter, mit Zucker ueberzogene Fenchelsamen, Kautabak und was weiss ich noch all. Das Blaetterpaket wird gekaut, von einer Backentasche in die andere geschoben und der rote Brei gekonnt mit etwas nach oben gerecktem Unterkiefer im Mund behalten. Wenn die Girls dann lachen, sieht das aus wie wenn der leibhaftige Dracula gerade zugebissen haette.
So jetzt wird mich gleich der Internetshopbesitzer raus. Mangels Nachtleben hier verkruemele ich mich jetzt ins Bett.
P.S. Nachdem ich die letzten drei Naechte zwischen halb vier und halb sechs aufgestanden bin, soll ich erst morgen uns neun Uhr losfahren. Das lehne ich ab, vor 8 sollte es nicht sein. Als ich gefragt wurde warum so frueh, meinte ich: "The early bird catches the worm." Vermutlich gruebelt jetzt jamend die ganze Nach ueber den Sinn das Satzes und ist morgen fuerchterlich muede. Lg an H1.
