Freitag, 05.10., Colca Canyon
05. Oktober 2007


Der Tag hat sich gelohnt, im Positiven wie im Negativen. Im Colca Canyon bin ich einen Hang hinuntergerutscht und habe nun einiges an Blessuren zu veranzten. Aber so eine Reiseapoteke ist ja nun mal da, dass sie auch irgendwann genutzt wird.

Doch der Reihe nach. Gestern Abend bin ich beim Buchen der Tour kurz ins Stocken gekommen. Abfahrt 1 Uhr morgens ! Da ich unbedingt dahin will, stelle ich um Mitternacht den Wecker auf halb 1. Tatsaechlich, irgendjemand klopft an die Tuer des verdutzten Nachtwaechters und fragt nach mir. Dann gehts mit dem Minibus zum Busterminal und der Fahrer drueckt uns mittlerweile zur Dritt tourenden Jungs und Maedels einen Zettel in den Hand: Fahrt mit dem Bus nach Chivay, wartet auf jemanden namens Pedro und geht dann irgendwann in ein Hostal. Ich frage meine beiden zumindest etwas spanisch sprechenden Ausfluegler, ob sie verstanden haben, was der Fahrer uns damit sagen will. "A little bit, so die Antwort, es waren - oder sind noch - Kanadier. Da ich gar nichts verstanden habe, ueberlasse ich den beiden die Verantwortung fuer das weitere Handling.

Um 4 Uhr nachts sind wir tatsaechlich irgendwo angekommen. Nach einigem herumfragen erfahre ich, wir sind in Chivay, was mir zunaechst ueberhaupt nichts sagte. Der Guide kam auch nicht und so lassen wir uns erstmal einen fuerchterlich schmeckenden Kaffee aufschwatzen. Als der Guide um 5 immer noch nicht da ist, nehmen wir ein Mototaxi (die heissen hier Moto-Clo) und fahren ueber irgend eine staubige Piste ins Zentrum des Staedtchens. Dort finden wir nach einigem hin und her das Hostal, natuerlich geschlossen. Ich klopfe an die Tuer, nichts. Ich klopfe mal richtig und ein wachgewordener Gast oeffnet, holt die Rezeption aus dem Bett, aber der wusste natuerlich von gar nichts. Kurz vor sechs erscheint - o Wunder - dann Pedro, der Guide doch noch. Meint, er haette verschlafen.

Doch nach dem Fruehstueck geht es los in den Colca Canyon. Wieder landschaftlich reizvoll und voller Natureindruecke. Lamas, Alpakas und die doch seltenen und scheuen Vicunas. Die Miradores, bei denen wir anhalten bieten wieder fantastische Blicke auf die umliegenden Bergriesen.

Doch der Zweck war ein Sightseeing besonder Art. Nicht der Blick 1200 Meter ins Tal, nein, am Cruz del Condor wartet ein beiendruckendes Schauspiel. Das Erlebnis, den groessten Raubvogel der Welt mit einer Fluegelspannweite von 3 Metern aus naechster Naehe zu beobachten. Rund eine halbe Stunde - ich hatte es eigentlich schon aufgegeben - dauert es, bis der erste Neuzeitgeier uerber uns herschwebt, ganze sieben sollten noch folgen. Die Bilder sind jedenfalls sagenhaft.

Nach dem Besuch kleiner Indiomarkte geht es Nachmittags wieder zurueck durch sumpfige Gebiete. Der Tourguide haelt an, als es eine gemischte Vogel- und Lamawelt zu bestaunen gibt. Beim Fotografieren reist mir der Wind die gute TSV Tour 2005 Muetze vom Kopf und wirbelt den Hang hinunter. Also versuche ich, das gute Stueck wieder zu ergattern. Die Folgen sind einige Schuerfwunden und ein steigender Umsatz der Firma Hansaplast. Die Kappe habe ich aber wieder unter dem Applaus der Fahrtteilnehmer ergattern koennen.

Am spaeten Nachmittag gehe ich noch ins Museo Santuarios Andinos. Dort ist der mumifizierte Leichnam von Juanita zu sehen, der 1995 in den Gletschern des Nevato Ampate entdeckt wurde. Ist noch alles dran: Haut, Haare, Zaehne, Kleidung und die Gaben die man so beigab. Juanita wurde von den Inkas den Goettern geopfert, drei Schlaege auf den Vorderkopf und dann im Gletscher beerdigt - andere Laender, andere Sitten. 

P.S. Die Inkas opferten nur Maedchen, die mehrere Voraussetzungen erfuellten: Sie mussten u.a. adlig sein, sie durften keine Flecke auf der Haut haben - sprich mussten schoen sein - und mussten schoene Haare haben. Tipp: Ein Besuch bei einem peruanischen Friseur und Juanita waere ihr Problem losgeworden.

Wuensche ein schoenes Wochenende nach Deutschland. Lg an H1.