Montag,  05. Oktober, Urgench und Chiva



So, ab heute beginnt der Urlaub erst richtig, die vergangenen Tage koennen quasi unter dem Stichwort Anreise verbucht werden. Willkommen in Usbekistan, oder Osbekiston - wie die Usbeken oder Osbekon hier sagen. Ein ereignisreicher Tag geht zu Ende und der Ruecken hat sich auch das erste mal gemeldet, woran auch ein kausasischer Metzger - Verzeihung Masseur - nicht s mehr retten kann. Aus Frankfurt kommen Reklamationen ueber den Samstag-Blog und die Polizei haelt mich fuer einen Russen. Doch alles schoen der Reihe nach.

Der Nacht auf dem Taschkenter Flughafen folgt die suche des separaten Domestic Terminals. Es ist 5 Uhr morgens, ich war der erste. Keine Sicherheitsbeamten, kein Fluggesellschafts- oder sonstiges Personal. Da ich keine Lust hatte, mit dem 15 Kilo-Rucksack wieder zurueckzulaufen, gehe ich rein, mache das Licht an und setze mich hin. Auf die Frage des ersten Angestellten, was ich hier mache, antworte ich wahrheitsgemaess: I turned the lights on, worauf das Wesen wortlos verschwand.

Mit einer Antonov geht es 90 Minuten Richtung Westen nach Urgench, einer Wuestenoase 1000 km von Taschkent entfernt. Fruehstueck gabs leider keins im Flieger, aber dafuer eine weitere Ueberraschung. In Urgench war der flughafen geschlossen. Wir mussten quasi drumherumlaufen, das Gepaeck wurde auf dem Parkplatz vor dem Terminal verteilt. Da ich ca. 40 km Richtung Chiva an die Turkmenische Grenze weiter muss und ein geordnetes Bussystem hier ein Fremdwort ist, suche ich ein Taxi.

Nach dem Stress in Almaty bin ich allerdings etwas vorsichtig geworden und lasse die Jungs erstmal abblitzten. Das Pokerface wirkt, nach 2 Minuten bietet jemand 8 Dollar fuer die Strecke an. Kleiner Nachteil, der Lada ist uralt und wird womoeglich nur noch durch Usbekistan-Pattex und handgefertigten Schrauben zusammengehalten. Kein Grund zur Sorge, denke ich, denn selbst wenn das Gefaehrt vor dem Zusammenfallen noch einen Baum rammt, dann bekommt der hoechstens ein Kratzerchen. Allerdings stellt sich - es it 8.30 Uhr am Morgen-  schnell heraus, dass Vaeterchen Taxifahrer wohl dem Alkohol etwas zugesprochen hat und wird gestikulieren und herumlabernd die zum Glueck gut ausgebaute Strasse entlangtuckert. Lediglich um die am rechten Rand fahrenden Eselgespanne und Fahrradfahrer habe ich etwas Angst. Es kam natuerlich wie es kommen musste, mit Tempo 25 scheppern wir durch eine Mulde ins freie Feld. Ich steige aus, spende Trost, zahle die 8 Euro und nehme die verbliebenen zwei Kilometer den Bus.

Nun also Chiwa, eine restaurierte Oasenstadt in dr Kizilkumwueste. Die Stadt mit ihrer Festung erinnert etwas an das indische Jaisalmer. Allerdings nicht die Spur von Lebendigkeit, die Usbeken, so der erste Eindruck, sind offensichtlich etwas langweilige Genossen. Und auch kein Vergleich zu den arabischen Maerkten und historischen Innenstaedten mit ihrem Maechen aus 1001e Nacht Flair. Verkaufstalent haben die Jungs und Maedels hier in Chiva jedenfalls nicht. Allerdings gibts auch nichts, was der Mitteleuropaeer auch nur im Entfernstesten gebrauchen koennte. Und die hier ueberall angebotenen Strickschuehchen strickt die Omi im Seniorenheim noch selbst. Auch ein Verkaufsschlager: Winterfell muetzen - es ist 30 Grad ....

Archaelogoen hatten die durch Banditen und Gewaltherrscher zerstoerte Festungsstadt mit ihren Toren wieder aufgebaut und die schoenen Medressen (nicht Maetressen), Minarette und Karawansereinen mit kunstvollen Ornamenten und Daechern ausgestattet. Dazu Basare wie im Bilderbuch, aber eben ohne Atmosphaere. Nur auf den Daechern der Guesthaeuser spuert man ein bisschen vom 1001er Nacht Flair. Irgendwie eine Museumsstadt zum ansehen, die Leute aber eher sowjetisch als orientalisch.

Am Mittag leihe ich mir ein Fahhrad und diese die 25 km nahc Urgench. Oder sagen wir mal, es war ein zweiraedriges Klappergestell, Marke Lade von heute vormittag. Unterwegs ein Stopp bei den Bauern die mitten in der Wueste ihren Reis anbauen (ist ja eine Oase -hab ich aber trotzdem noch nicht gesehen). Sie schauen mich an wie Klein Alf aus dem Fernsehen und wollen mit ihre dicken Wassermelonen verkaufen. Ueberall erblickt man kleine Oefen, in denen flache Brote feucht gegen die Innenwand geworfen werden. Ich durfte naetuelich auch mal probieren.

Waehrend der Rueckreise erbarmt sich ein Getraenkewagen und laesst mich auf der Ladeflaeche samt Fahrrad sitzen. Als Logo hatten die eine Micky Maus und das Bild haette man sich vorstellen sollen. Herr H. plus Fahrrad neben der Micky Maus auf der Ladeflaeche eines usbekischen Lasters. Das war dann doch der usbekischen Miliz zuviel. Diese haelt sowieso alle Nase Lang die Leute an und fragt nach dem Pass. Ungeduldig auch nach meinem. Als ich mangels Sucherfolg nur ein leises Dawai, Dawai (Immer mit der Ruhe) murmele, rufen die Polizisten: Russki, Russki. Die halten mich fuer einen Russen, was seit 1991 auch nicht mehr ein positiver Umstand ist. Na ja, beim Absteigen ruft ein kleines Kind zu mir: Mister, Mister. Innerhalb von 2 Minuten vom Russki zum Mister. Willkommen in Usbekistan.

P.S. Der Masseur meinte beim Anblick meiner Finger, ob ich Programmierer waere. Sag ich: Die einzigen Programme, die ich jemals geschrieben habe, waren vor Jahren die Programme fur die Fastnachtssitzungen. Lg an H1.




05. Oktober 2009