Sonntag, 05.10., Darjeeling - Tiger Hill



Zunaechst noch ein Schmankerl von gestern Abend. Wie schon am Vortag bin ich in Joes Pub eingebogen. Bekannt fuer kaltes Bier und warmen Rum in allen Variationen. Erstres kmann ich bestaetigen, letzteres habe ich nicht probiert. Aber mein Hintermann. Nachdem ich meine Paar Haehnchenknochern abgenagt hatte, suchte ich eine Serviette, da stelle der Wirt einen Becher mit Zitrone und einer wasserfarbenen Fluessigkeit neben mich. Warm. Ich denke, es ist Zitronenwasser und halte die Fettfinger hinein. Thema erledigt. Fuer mich. So zwei Minuten spaeter wird die Bruehe als lauwarmer Rum zwei Tische weiter serviert. Na denn prost, gemerkt hat es keiner.

Heute morgen. Versuch Nummer zwei den Kangchenjunga im Morgengrauen zu erblicken. Erneut heisst es Punkt 3.30 Uhr aufstehen und einen Jeep zum Tiger Hill zu entern. Es hat die ganze Nacht monsunartig geschuettet, so dass ich hoffte die letzte Wolke hat sich wie ein Schwamm ausgepresst und liesst einem endlich den freien Blick auf den 8600er. Der Fahrer ist Klasse, Marke Formel 1 Fahrer, kennt eine Menge Abkuerzungen und jedes Schlagloch. Bis auf eins, womit auch Beule 1 dieser Reise abgehakt ist. Indische Autofahrer sind sehr Energie bewusst. Jedenfalls wenn es um die Beleuchtung am Wagen geht. Das heißt, es wird in der Dunkelheit in der Regel ohne Licht gefahren und zumindest das ungeschulte europaeische Auge sieht dann nichts als schwarze Nacht. Hat ein entgegenkommendes Fahrzeug allerdings Licht an, faehrt man gegen eine grelle Lichtwand und man sieht wieder nichts. Wird gehupt und die Richtung beibehalten, sind Menschen auf der Fahrbahn. Wird gehupt und ausgewichen, sind es heilige Kühe.

Doch dann ist es so weit, bestes Wetter, die ganze Silhouette der 8000er mit dem schneebedeckten fuenfgipfligen Kangchenjunga direkt vor der Nase. Da blaest es einem die Backen auf. Und als dann der Sonnenaufgang die Himalaya-Kette von rechts nach links gold schimmern laesst, ist schon eines um 6 Uhr morgens klar: Der Tag hjat sich gelohnt. Hier schon mal ein Vorgeschnack: 
Kangchendzönga von Gangtok aus

Aber Darjeeling ist zwar fest fest in indischer Touristenhand, die Bevoelkerung zeigt aber in vielerlei Hinscith nepalesische Wurzeln. Und was treibt man so in Darjeeling? Als erstes, die Ruhe genießen. Der am höchsten gelegene Stadtteil Chowrasta ist eine Füßgängerzone. Also keine stinkenden und lärmenden Autos, sondern nur Menschen und ein paar Ponys. Ich wandere ein paar Kilometer um den Observation Hill herum und mache einen Abstecher zum Bhanu Bhakta Sarani , einem unverwechselbaren tibetischen Kloster. Die Einmgangstuer ist verriegelt, so dass der trotzdem faszinierende Blick der Verzierungen und der Bauweise sich allemal lohnt. Um die Ecke ein riesiger Krach, zu dem mich die Neugier sofort treibt. Auf dem Klostergelaende ist eine Tanzschule und die Rhythmen sind alles andere als buddhistisch. Wegen des grossen Erfolges auf der diesjaehrigen Kirmes beschliesse ich aller dings das ganze passiv zu verfolgen.

Zwischenzeitlich noch eine kleine Bahnfahrt von Darjeeling in das 7km entfernte Ghoom mit einer mega pfeifenden und dampfenden altten Dampflok. Sieht man die Llok, die vor der Fahrt angespannt wird, fuehlt man sich wie auf einer Zeitreise in die Vergangenheit.  Aber so schoen es aussieht, eine Dampflok, die mit Kohle betrieben wird, es ist eine ziemlich schwarze Angelegenheit. Ich sitze im Waggon direkt hinter dem Heizkessel, und bin nach 15 Minuten so schwarz wie Nachbars Katze.

So es ist jetzt 18 Uhr im Norosten Indiens, schaun wir mal, was der Abend noch bringt. Morgen gehts dann Richtung Buthan.

P.S. Mein wochenendliches Mitgefuehl gilt heute den Herren Hofmann und Klinsmann. Weitere Kommentare ueberfluessig. Lg an H1.



05. Oktober 2008