| 04. Oktober 2009 |
Das Oktoberfest im Irish Pub hat seine Spuren hinterlassen. Wer noch nie kasachische Damen mit 10cm hohen High Heels zu deutscher Blasmusik hat tanzen sehen, der sollte hier mal vorbei schauen. Jedenfalls sind die Girls sehr tanzlustig. Da man von den Herren hier genau das Gegenteil behaupten kann, hatte ich natuerlich alle Chancen. Allerdings ist das Englisch der weiblichen Pubbesucher nicht sonderlich besser als mein Russisch, so dass sich jemand mit Kenntnissen beider Sprachen den ganzen abend schlapp gelacht haette. Als erstes habe ich denen mal beigebracht, dass man - wenns schon Massbier sein muss - bestimmt keinen Literhupen voller Guinnes zapft, sondern sich bei solchen Aktivitaeten eher des heimischen Gerstensafts bedient. Da das fluessige Nass direkt aus dem Felsquellwasser des benachbarten Tien-Schan Gebirges gerbraut wird, schmeckts genau so gut wie in Muenchen.
Doch, was macht man den ganzen Tag in Almaty. Im Reisefuehrer sind exakt vier (!) Must to See's aufgefuehrt, dazu noch einen Stadtrundgang. Also mache ich mich auf die Socken.
Zunaechst ein Paar Worte zu Almatuy selbst. Denn ich habe Zeit. Es ist halb drei Uhr Nachts und ich sitze in einem Cafe im Flughafen von Taschkent in Usbekistan. Der Flieger nach Urgench geht erst um 7 Uhr.
Die 'Apfelstadt' (so die deutsche Übersetzung, das russische Alma-Ata bedeutet 'Vater der Aepfel') wirkt erst auf den zweiten Blick etwas saftig wie eine Cox Orange. Die Atmosphäre ist geradezu himmlisch ruhig, die Kasachen haben zumindest in der Fahrschule gelernt, das Fussgenger auch noch ab und zu ueber die Strasse wollen. Die vielen Bäume und Brunnen tuen ihr uebrigeses Positives waehrend die Bevoelkerung eher scheu daher kommt. Auch ist die Innenstadt vergleichsweise leer.
Zumindest die Orientierung ist in der 1,2-Millionen-Stadt denkbar einfach, denn das eigentliche Zentrum ist auf geschätzte 3 x 3 Kilometer beschraenkt, die Strassen a la Manhatten senk und waagerecht, was meinem nicht vorhandenen Orientierungssinn sehr gelegen kommt.
Da Almaty wie bereits erwaehnt am Fuße des Tianschan-Gebirges liegt, gibt es in der ganzen Stadt ein Gefaelle, spich Richtung Sueden gehts bergauf.
Vorher ist heute allerdings noch Seilbahnfahren angesagt auf den Berg Koek-Toebe, der mit einer Aussichtsplattform einen hervorragenden Blick auf Almaty bietet, es sei denn der morgenliche, mittaegliche und abendliche Nebel macht einem einen Strich durch die Rechnung. Na ja ich gondele den berg hoch, was mir beim Betrachten der Seilbahn auch nicht gerade vertrauenswuerdig erscheint. Als dann noch zwei Damen aelteren Semersters sich vor dem Start bekreuzigen, kann ja nichts mehr schief gehen. So ein Sammelsegen quasi, denn wenn die Gondel runterpurzelt, triffts vermutlich alle. Oben auf dem Berg ist nicht viel los, das einzige was ich knipse ist ein Stand mit der Aufschrift Gluehwein und eine Dame namens Suleika die sich gerade um die Miss Universum bewirbt. Die 10 Punkte aus Germany hat sie fuers Foto jedenfalls bekommen.
An einer Statue treffen sich viele Hochzeitspare. Sie legen Ihre Haende in ein eingemeisselte Buch als Zeichen der Verbundenheit und ein islamische Geistlicher laesst zwei Tauben fliegen. Unter dem Arm habe ich den englischen Lonely Panet mit der Aufschrift Central Asia. Da fragt mich doch ploetzlich jemand "Sprechen Sie Deutsch ?" Und dann erzaehlt mir die Kasachin eine Stunde land was von der Stadt. Es gibt sie also doch noch in Kasachstan, die Russlanddeutschen. Ich dachte immer die wohnen bei mir um die Ecke in der Langeweidstrasse.
Der Rest ist schnell erzaehlt. Es faellt auf dass in allen Parks getanzt wird, selbst Tanzschulen scheinen hier ihre Uebungsstunden zu absolvieren. Angesichts des Abends zuvor und der Hoehe der Absaetze der Damen halte ich mich in sicherer Entfernung.
Ein Sprung in den Gorki Park mit Besichtigung der zenkov Kathedrale folgt. Das Gebaude ist komplett aus Holz gefertigt, was man ohne diesen Wissen ueberhaupt nicht erkennen kann. Ein glueck, denn im Gegensatz zu den anderen Gebaeuden der Stadt ueberstand es die zwei Erdbeben in der nur 160 jaehrigen Stadtgeschichte. Der Weg fuehrt ueber eine schrecklich haessliche Fussgaengerzone zur blauen Moschee, der Central Mosque der Stadt. Auf dem Weg zurueck noch ein Stopp in der Coffeedelia, des "best and trendiest" Coffehouses der Stadt. Kann ich nur bestaetigen.
Um 23.30 Uhr geht der Flieger nach Taschkent, ich sitze das erste mal in meinem Leben in einer Tupoloev. Ein Riesen-Duesentriebwerk ist aus dem Fenster zu sehen, als wollten wir um die ganze Welt fliegen. Doch die Tupolev schnurrt wie ein Kaetzchen und am Service der Uzbekistan kann sich sich Lufthansa ein scheibchen abschneiden. Da in Usbekistan die deklarationsfreie Einfuhr von Cash ungefaehr dem Gegenwert zweier ionlandsbriemarken entspricht, musste ich auch noch unter die Schmuggler gehen. Aber dazu morgen mehr.
P.S. In Kasachstan faengt alles mit KAZ an. KAZ-Phone, KAZ-Post, KAZ-Bank und ohne Witz: Im Streichelzoo am Koek Toebe steht auf dem Schild fuer Katzen, na .... Mieze-KAZ. Lg an H1.
