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Freitag, 28.09., In den Anden nach Huancavelica
Nach einer ziemlichen schlaflosen Nach mit viel Hahnengschrei - die innere Uhr geht hier bei jedem Hahn anders und der Sonnenaufgang wird wohl auch individuell definiert - geht es heute um 5 Uhr aus den Feder, denn um 6 Uhr muss ich am Bahnhof sein. Dort faehrt der sagenumwobene "Tren Macho" ab, eine der wenigen Gelegenheiten, in Peru Zug zu fahren. Zunaechst Grundsatzdiskussionen, mein Platz war von einer Peruanerin besetzt, die sich auch nicht durch gute Worte ueberreden liess. Ok, bei meinen Spanischkenntnissen muss das mit den guten Worten auch nichts bedeuten.
Reiseziel ist Huanvavelica. Die Strecke ist zwar nicht atemberaubend, wie in allen Reisefuehren beschrieben, aber dennoch spektakulaer. denn wo sonst faehrt eine Bahn auf eine Hoehe von vis zu 3700 m. Die Strecke mit 38 Tunneln und 15 Brücken führt über eine Länge von 128 km durch eine spektakuläre Landschaft und verbindet die Provinzstädte Huancayo (3.259 m hoch) und Huancavelica (3.660 m) miteinander.
Der Zug ist jedoch für seinen unberechenbaren Fahrplan berüchtigt. "Er fährt ab, wann er möchte, und kommt an, wann er kann", heisst es unter den Einheimischen und so manchmal hatte ich den Eindruck, das Rattern und Stottern gepaart mit ploetzlichen Motorausfaellen koennte die Reise auch unter Zeitaspekten zu einem unvergesslichen Erlebnis machen. Seinen Spitznahmen hat der Zug auch: Macho Zug. Die Bezeichnung kommt vom Quechua-Wort "machu" ("alt" - wie es zum Beispiel auch in Machu Picchu vorkommt), womit mit "Macho" weniger das männliche als vielmehr auf altersbedingte Defekte angespielt wird. Beim Thema altersbedingt kommen auch gleich meine Rueckenschmerzen, denn der Ruecken hat unter dem bisher meist in Zuegen, Bussen und Fliegern abgespielten Urlaub doch schon etwas gelitten.
Zugfahren ist immer ein Erlebnis, ob mit der S6 nach Frankfurt oder eben dem Tren Macho. Zumindest ist der Zug hier puenktlich, zumindest bei mir war es so. Doch hier rattert der Zug langsam über die holprigen Gleise, die alten, spartanischen Waggons schaukeln hin und her, Verkäufer steigen an den Stationen zu, um den Fahrgästen Reiseproviant zu verkaufen, und das Essen an Bord ist exorbitant billig und wers mag, bekommt es auch lecker und frisch zubereitet.
In Huancavelica regnet es in Stroemen, deshalb schau ich mir das Staedtchen auch nur kurz an. Viele kleine nette Haeuser und ringsum die Gebrigslandschaft der Anden. Sehr beschaulich eben, die Stille kann ich nur mit einem Erlebnis vor kurzem vergleichen, als ich abends um 19 Uhr auf dem Marktplatz von Butzbach ausgesetzt wurde. Zurueck bin ich dann mit dem Bus. Unpuenktlich, langsam, aber durch die Doerfer in den Hochanden dennoch ein Erlebnis. Nach allerdings einer Stunde plazt ein Reifen und wir liegen erstmal brach. Mit zwei Stunden Verspaetung kommen wir nach Huancayo zurueck. Es ist schon dunkel und auf der Strasse und den Gleisen am Bahnhof findet man unzaehlige Haendler, die von ganzen Schuhsortimenten bis zum einxelnen Kochtopf alles anbieten, was man braucht - oder auch nicht.
Da es hier in der Naehe weder Kneipe noch Kultur gibt, ist heute mal Leseabend. Buenos Notches.
P.S. Den Limeno-Raucherhusten werde ich nicht mehr los. Ein Tag Lima ist wie zwanzig Jahre HB geraucht. Vielleicht sollte man das Ortsschild erweitern. Der Gesundheitsminister ... Lg an H1.
| 28. September 2007 |