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Samstag, 24.05, Casablanca - Frakfurt
Doch der Reihe nach. Casablanca empfängt mich so, wie ich es vor einer Woche verlassen habe, es giesst in Strömen. Daher cancelle ich das komplette Vormittagsprogramm, schlafe aus und starte gegen 10 zum Flughafen Richtung Madrid. Bis dahin konnte man noch guter Dinge sein, doch hatte ich die Rechnung ohne Iberia gemacht. Nach 7 Stunden Wartezeit hebt der Flieger ab. Zuvor zeigt das Display auf der Anzeigetafel stündlich andere Hinweise, die eines gemeinsam hatten: Die waren alle falsch. Dinge, die man niht ändern kann, nimmt man am besten mit einer orientalischen Coolness zur Kenntnis. Da ich wärend der gesamten Woche keine Zeit zum lesen hatte, hole ich dies nun nach oder schaue inbesondere den deutschen Urlaubern zu, wie diese sich köstlich aufregen. Stundenlang lässt sich auch kein Mtarbeiter der Iberia sehen, Pausensnacks oder Getränke sind Fehlanzeige. Wie durch ein Wunder startet die Maschine dann gegen 20 Uhr und landet um 23 Uhr in Madrid.
Eigentlich dient der rückflug für das Tagebuch nur zu statistischen Zwecken. Viel gibt es dann ja auch nicht zu erzählen, es sei denn, man fliegt mit der Iberia. Es soll ja Leute geben, die vo n Teneriffa einmal 24 Stunden gebraucht haben, um Über Madrid nach Frankfurt zu kommen, ich benötigte für die gleiche Distanz lediglich von Casablanca kommend exakt 25 3/4 Stunden. In dieser Zeit fliegen andere zwei mal um den Globus.
Dass sämtliche Anschussflieger weg waren und die Nacht in einem Hotel verbracht werden musste, war jedem klar. Und je komplexer die Reiseziele waren, desto mulmiger wurde es den Passagieren, zumal in Madrid das Iberia Personal an einer Hand abzuzählen war. Als Richting Frankfurt reisender konnte man dies entspannt sehen, irgendwann geht immer ein Flieger dorthin. Eine Stunde warteten dann 150 mürrische Touristen am Kofferausgabe band, bis sich dann jemand von der Iberis blicken liess und meinde, man werde heute doch kein Gepäck mehr ausliefern.
Die Uhr zeigt schon nach Mitternacht, als die Wahrscheinlichkeit, die Nacht doch noch in einem Hotel zu verbringe, rapide steigt. Vor dem Terminal wartet ein Bus. Nur zog sich der erwartete 10 Minuten Trip knapp eine Stunde hin, das Hotzel war mal locker 70 km vom Flughafen entfernt und jeder Tripp aus Gaspedal kommentierten die Vorne sitzenden mit knackig-lauten "Vamos, vamos" - Schlachtrufen. Im Hotel dann mal eine positive Überraschunbg, Iberia hatte für alle ien Wurstplatte servieren lassen, auf jedem Tisch stand noch eine Flasche Rotwein. Ich nutze die Gelegenheit und setze mich an den Tiosch mit den Kopftuchdamen und meine Vermutung, dass die sowieso keinen Alkohol trinken, erwies sich als Goldrichtig. Die Flasche Wein war so grosszügig unter mit verteilt.
Als sich die Runde richtung Bett verkrümelte - es war schon deutlich nach 2 Uhr - setzte sich urplötzlich ein Russe zu mir. Sicher war dass er Russe war und halbwegs sicher, dass er auf Teneriffa im dortigen Synfonieorchester das erste Cello spielte. Der Rest von seinen Ausführungen war allerdings so verwirrend, dass ich es nicht mehr zusammenbekómme. Totsicher allerdings, wie bei jedem Russen: Der Mann hatte Durst und bestellt bis zum Abwinken nach. Irgendwann winkte dann auch das Personal ab und rückte nichts mehr Flüssiges raus.
Kein Problem für meinen Russen: Zwei Räume weite befand sich eine Hochzeitsgesellschaft mehr oder weniger im Aufbruch. Russe und ich greifen sich die Braut, gratulieren freundlich und setzen uns dann unauffällig in die Runde. Unauffällig war zumindest ich, unser Russe hatte nicht nur mächtig einen im Tee, sondrn auch mächtig Musik im Blut und präsentierte sich in bester Kalinka-Stimmung. Motto: Pack das Cello aus, und der müdeste Haufen wird plötzlich wieder putzmunter. So gegen 5.30 Uhr habe ich einen erleichterten Hotelangestellten gesehen, der freudig zur Kenntnis nahm, dass wir jetzt endlich müde sind. Meine Frage an der Rezeption nach der Zimmernummer quittierte der Empfang mit einem freundlichen Lächeln:
"Ich wollte Sie gerade wecken, der Bus steht vor der Tür"
| 24. Mai 2008 |