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Dienstag, 20.05, Marrakech
Wer schon einmal in London war, wird sich an die Hinweise in jeder UBahn Station erinnern. Mind the Gap heisst es da in grossen Lettern, und wartne davor dass man nicht unter die einrollende Bahn faellt bzw am Bahnsteig einfach aufpasst. Fuer Marrakech bietet sich ein anderer Hinweis an: MIND THE SNAKE ! Oder zu Deutsch: Pass auf die Schlangen auf. Doch zunaechst mal alles von vorne. Denn vor dem Abenteuer hat der Marrokaner ie Bahn gesetzt und so geht es ab 3.40 Uhr Nachts ueber 8 Stunden von Fes nqch Marrakech.
Dort angekommen zeigt sich ein Unterschied, der gut und gerne mit *Zwischen Himmel und Hoelle* zu bezeichnen ist. Zunaechst ein bisschen Himmel. Marrakech wird auch die rote Stadt bezeichnet - saemtliche Bquren sind rot und weitraumig, viel gruen und ein klasse Panorama. Hauptarrtrqktion ist der Place Djemaa el-Fna (Platz der Toten). Ursprünglich war es eine Hinrichtungsstätte, heute hat man durchaus Chancen zu ueberleben. Sehenswert sind: die Kutubia, ein schönes altes Minarett die El Mansur Moschee, die Sultansgärten Agdal, der Badi-Palast mit seinen Deckengewölben und einem malerischen Innenhof und die vielen Stadttore.
marrakech ist aufregend, aber auch anstrengend. Der Verkehr ist ein ruecvksichtsloses Chaos, Motorraeder und Autos sausen in den engsten Gasschen mit um die Ohren, ohne Ruecksicht auf irgendeinen Fussgaenger. Es ist schon ein unbbeschreibliches Glueck, dass hier nichts passiert. Ein marrokanischer Passant wird ueber den Haufen gefahren, blutueberstroemt geht er weiter, niemand kuemmert sich um ihn. Ach muss man sehr schnell feststellen, dass jeder Europaeer als Tourist gesehen wird mit dem Geld zu verdienen ist. So heften sich sofort besonders viele Marokkaner an meine Fersen. Ihre *Freundlichkeit* reicht nur so weit, bis sie widerstrebend zur Kenntnis nehmen müssen, dass ich ihre Dienste nicht in Anspruch nehmen will. Beschimpfungen, ja auch wuestes Bespucken ist noch gelinde ausgedrueckt und begleitet mich den ganzen Tag ueber, besonders wenn man sich etwas fernab der Touristenpfade aufhaelt.
Klasse dennoch die Souks, nicht so gross wie in Fes, aber mit qualitativ guten und schoenen Produkten bestueckt. Hier zu bummeln, ist nicht gerade erholsam, da einem jeder etwas verkaufen will. Die Plagegeister sind allgegenwaertig, aber das kann man it orientalischer Gelassenheit ueberstehen. Gekquft habe ich heute nichts, das Feilschen hatte ich mir fuer morgen vorgenommen.
Auf dem Jemaa el Fna beginnt der tägliche Trubel, der sich Abends zu einer Riesenshow unter freiem Himmel entwickelt. Märchenerzähler, die ich zwar nicht verstehen kann, Schuhputzer, Wahrsager, Wasserträger, Schlangenbeschwörer, Glaoua-Tänzer, Akrobaten, Feuerschlucker, Orangensaftpresser, zahlreiche Händler und vor allem unzählige Garküchen vermischen sich zu einem bunten Spektakel. Beim Anblick der gekochten Schafsgehirne und anderer undefinierbarer Spezialitäten weiss ich nicht, ob da das Wasser im Munde zusammenmaeuft.
Je später der Abend desto mehr los auf dem Platz. Das ständige rhythmische Trommeln und Floetenklaenge machen neugierig. Leider schaue ich icht immer nach links oder rechts und ploetzlich ein Fauchen, ein Schlag und diverse verdutzte Gesichter. Beim Umherschlendern hatte ich wohl nicht so ganz auf die Schlangen geachtet, die von ihren Beschwoerern per Floete auf Trab gehalten wurden. Jedenfalls hatte ich wohl versehentlich einem der Tierchen auf den Schwanz getreten, auch wenn ich nicht ganz weiss, wo dort der Schwanz aufhoert und der Rest anfaengt. Der Rest spielt sich dann in einer Sekunde ab. Der Nullbeiner beisst mit in die Jeans oder tut so (ich habs nicht gemerkt), ich erschrecke zu Tode und der Beschwoerer haut der Schlange mit der Floete eins auf die Muetze.
Tja, da faellt mir wirklich nur noch eins ein: Salem aleikum !
P.S. Auf dem Weg ins Hotel mache ich mir noch Gedanken, wer eigentlich das duemmste Gesicht gmacht hat. Der Schlangenbeschwoerer, die Schlange oder ich. Vermutlich ich, denn bli bloede Touris sehen die beiden anderen ja jeden Tag. Lg an H1.
| 20. Mai 2008 |