Montag, 19.05, Fes



Heute mal kein Bus, Flieger oder die Bahn. Auf dem Programm steht Remaxen in von Fes. Beim Sturz in das Getuemmel am Samstag standen die Souks und die Bauten im Vordergrund; heute geht es ins Gruene, in die Kunstzentren; die Gerberei und ins juedische Viertel. Auf dem Weg streife ich auch noch eine Teppichknüpferei und eine Messingschmiede.

Nicht weit vom Lederwarenbazar befindet sich die alte Gerberei von Fes, wo immer noch nach traditionellen Methoden Leder gegerbt wird. Ein Fuehrer findet sich schnell und erklaert genau, aus welchem Tier mit welchem Gewuerz welches Leder in welcher Farbe hergestellt wird. Safran, Indigo, Rot, Minze -- jedes Lederhaut hat seine Farbe und der Guide erklaert wirklich alles. Wegen des beißenden Geruchs bekomme ich ein Büschel frischer Pfefferminze als Gasmaske, wie er behauptet. Der Lohn dieser Strapaze ist eine wunderschöne Sicht auf einer Mittelalterlichen Industrieanlage, die heute noch in Betrieb ist. Die Gerberei besteht aus zahlreichen steinernen Gefäße gefüllt mit einer Vielzahl von Farb-und Geruchsstoffen und verschiedenen Flüssigkeiten  und so werden aus den Fellen von Schafen und Ziegen Leder-Produkte wie Taschen, Mäntel, Schuhe, Hausschuhe und andere ähnliche Produkte. Das ist alles von Hand erreicht, ohne die Notwendigkeit für  Maschinen.

Allerdings: Die Männer arbeiten in unerträglich heiß Bedingungen undstehen bis zu den Knien den ganzen Tag in den großen Steinbottichen mit verschiedenen ätzenden Farben. Dass da jemand krank wird ist nur eine Frage der Zeit.

Das juedische Viertel ist spaeter eine einzige Enttaeuschung. Die Gebaude im Stil der Ghettos im zweiten Weltkrieg total verfallen, die Synagogen heruntergewirtschaftet und zu Behausungen verkommen. Am Eingang stellt sich jemand als Jakob vor und verlangt Spenden. Da sein Name vermutlich genauso echt ist wie ich Tante Kaethe heisse, lasse sich mich auf nichts ein und ziehe einem mir hinterherjohlenden Alibi-Jakob davon.

Beim Blick gegen den Himmel faellt die Entscheidung leicht, was am Abend geschieht. Eine Freiluft Illumination und eine Lichtshow ueber die Geschichte von Fes bei stroemendem Regen oder ein Bierchen im Trockenen. Ich entscheide mich fuer Letzteres.

P.S.  Nach dem Hammambesuch von Gestern hatte ich mir noch eine Massage gegoennt. Allerdings hat der Masseur mich dermassen mit Oel ueberschuettet, dass mein Marktwert um einen Gegenwert von ca. 2 Gallonen gestiegen ist. Gemessen am Oelpreis bin ich hier jetzt eine gute Partie. Lg an H1.









19. Mai 2008