Sonntag, 16. Mai,  Kumgangsan - Wonsan



Ein Fall für Zwei

Der Tag war interessant, aber für einen Blog eher langweilig – sieht man mal von der folgenden Nacht ab. Zum Frühstück komme ich angesichts der Ereignisse des letzen Abends zu spät, was allerdings auch nicht so dramatisch ist. Gegessen hat keiner was – die Butter war so vor 3 Jahren und die Marmelade vor 4 Jahren abgelaufen.

Rund zwei Stunden geht es an der Küste entlang ins Diamantengebirge an die Südkoreanische Grenze. Es ist eine Fahrt durch die am strengsten bewachte Grenzregion der Welt, in der auch die flachen Strände im Süden mit Stacheldraht und Minen gesichert sind. Vereinzelt sieht man Rostlauben, die als Panzerunterstand dienen. Viel mehr bietet die Küste nicht, atemberaubende Buchten und dergleichen sind eher Fehlanzeige. Daher etwas grundsätzliches zu Geumgangsan oder Kumgangsan, dem Ziel des heutigen Trips. In unmittelbarer Nähe zur Demarkationslinie fallen die vermehrten Kontrollen auf. Kumgangsan bedeutet Diamantengebirge, weil im Sonnenaufgang die Granitspitzen der Berge wie Diamanten glitzern. Aber das Gebiet ist bei den rund 12.000 granitartigen und diamantenähnlichen Bergzipfeln auch aus einem anderen Grund bekannt.

Die Sonderwirtschaftszone ist für Südkoreaner und ein paar Touristen zugänglich, die dort sondt gar nicht rain kämen. Hyundai Asan hat eine Art Tourismusregion komplett erschlossen und nach modernen Maßstäben ausgerichtet.  Den dessen Chef war dereinst im Norden geboren und hatte einen guten Draht nach Pyöngyang. Gegen bare Münze und der Kompletterschließung des Giebiets erwarb er die Lizenz, 50 Jahre lang Touristen nach Kumgangsan zu bringen. Allerdings mit den Lizenzen nimmt man’s hier bei den Nordkoreanern nicht so ernst. Kürzlich wurden alle südkoreanischen Besitztümer enteignet und direkt Pyöngyang unterstellt. Jetzt sollen sich die Chinesen drum kümmern.

So sind wir neben einigen Chinesen die einzigen, die sich auf die 8 km lange Wanderstrecke zu einem Wasserfall aufmachen. In Ruhe lässt sich dieses Naturschauspiel genießen, zumal ich heuer bei den Ersten der Gipfelstürmer gewesen bin. Nur der Reiseleiter verzweifelt. Denn während für Koreaner beim Wandern das Gemeinschaftserlebnis zählt, macht bei uns jeder was er will. Und unser Aufpasser, gezeichnet vom Alkohol des Vorabends schlängelt sich auch nur noch wie ein müder Tropf den Berg entlang. Sogar eine Bergführerin begleitete uns, von der mir nur noch eines im Gedächstnis ist. Wie jeder Nordkoreaner muss auch sie einen Anstecker mit dem grossen Führer tragen. Im westlichen Outfit angekommen, pangt ein kleins Bärchen auf ihren T-Shirt. Und wo hängt der Kim Il Sung Anstecker ? Genau: der grosse Führer mit Bärenbauch und Bärenschwanz.


Dafür waren die Bedienungen im Talrestaurent gut drauf. Wollten auf jedes Bild und kicherten um die Wette. Auch das Bierholen klappte. Vor allem aber für den Reiseleiter, der kam eine Stunde zu spät und sah sichtlich gezeichnet aus. Mit einem Zwischenstopp in einem idyllischen drei Seen-Gebiet geht es rund drei Stunden wieder zurück nach Wonsan. Unser Reiseleiter kommt mit einem revolutionären Vorschlag. „Wie machen nun einen kleinen Spaziergang durch die Stadt. Doch die Freude währte nur Kurz. Der freie Spaziergang, war exakt 90 Meter lang, es ging nämlich gerade mal über die Strasse ins Hotel.


Während man in Pyöngyang viele Diplomaten, EU oder UN Mitarbeiter trifft, ist das Hotel in Wonsan mit viel Parteiprominenz bevölkert. Wo die sich allerdings aufhalten, weiß kein Mensch. In der Hotelbar langweilt sich die Bedienung, auch hier musste ich den Kühlschrank erstmal feierlich eröffnen. Mehr als drei Leute werden  wir heute Abend nicht, ab zehn Uhr waren wir nur noch zu Zweit. Um die Wachen zu testen, versuche ich mal kurz auszubüchsen, gleich 5 Bewacher springen aus dem Gebüsch und wollen wissen, wo ich hin will. Da ich wettete, dass es mindestens vier sein werden, war die nächste Runde gesichert.


Es passierte dann etwas, was es nur in Nordkorea gibt. Und was ich nicht in allen Details schildern möchte, denn die Angelegenheit endete mal wieder mit einem Verhör am nächsten Tag bei der Staatssicherheit. Eigentlich wollten wir nur noch wissen, wo im Hotel was los ist. Mit zwei Flaschen Hochprozentigen gingen wir so Nachts auf Inspektion. Das Ergebnis: Am Folgetag wurde uns vorgeworfen:


a) eine Räumlichkeit entdeckt zu haben, die es in Nordkorea gar nicht gibt

b) die Bedienung in der Lobby mit zwei Martini abgefüllt zu haben

c) aus b) resultierend die Hotelabrechnung verzögert zu haben.


Auf Einzelheiten sei hier verzichtet. Mündliche Anfragen gerne.

 

P.S. Frage an die Kellnerin: Kann man einen Anstecker mit den Führern Nordkoreas kaufen? Da schütteln die Mädels die Köpfe, ihre Chefin kommt herbei und sagt: "Der Anstecker ist das Herz eines Nordkoreaners. Ihn herzugeben, würde bedeuten, sich das Herz herauszureißen!" Lg an H1


Mangels Kommunikationsmöglichkeiten vor Ort erscheinen alle Berichte nach der Reise - da geht das Authentische leider etwas verloren. Statt einem "Moin Moin" sind die Blogs jetzt mit einer Überschrift versehen. Dieser Blog wurde am 27.05. erstellt.





16. Mai 2010