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Samstag, 15. Mai, Wonsan - Sijung See
Doppelkopf Schon beim Frühstück erfahre ich die neuesten Nachrichten: Ballack fährt nicht mit zur WM, der Euro im Sturzflug und das Wetter scheint traumhaft. Schon beim Frühstück erfahre ich die neuesten Nachrichten: Ballack fährt nicht mit zur WM, der Euro im Sturzflug und das Wetter scheint traumhaft. BBC wird offensichtlich nicht mehr von Störsendern geblockt, so dass der Rest der Gruppe wohl gestern noch das Neueste aus Europa erfahren hatte. Eine gute Arbeitsteilung, denn wir haben jeden Abend mangels Möglichkeiten immer die Hauptnachrichten imkoreanischen Staatsfernsehen geschaut. Ein statisches Bild mit einer Nachrichtensprecherin, die monoton über Geschehnisse aus den Betrieben fliegt kombiniert mit irgendwelchen Berichten, wo in Südkorea oder den USA gerade 5 Leute oder so gegen die Regierung demonstriert haben. Echt cool der Bericht aus Seoul, wo man sich drüber aufregt, dass es dort keine Pressefreiheit gäbe. Ich jedenfalls hatte mir ein Pyöngyang Times gekauft, wobei peinlichst darauf zu achten war, dass ich kein Bild mit dem Führer knicke. Denn dies wird hier als staatsfeindliche Aktion gesehen und im Extremfall mit der Ausreise der ganzen Gruppe bestraft.
Wir fahren also über Land, 200 km in Richtung Osten zum Japanischen Meer über die mittlerweile bekannten leeren Autobahnen. Man hat den Eindruck, je weiter von der Hauptstadt weg, desto gegen null bewegt sich das Verkehrsvolumen.
Wir fahren also über Land, 200 km in Richtung Osten zum Japanischen Meer über die mittlerweile bekannten leeren Autobahnen. Man hat den Eindruck, je weiter von der Hauptstadt weg, desto gegen null bewegt sich das Verkehrsvolumen. Dafür hat die Lanschaft durchaus ihren Reiz. Auf der Autobahn sieht man viele Leute auf dem Weg zur Feldarbeit. Hier wird nicht Reis, sondern Mais, teilweise sogar Kartoffeln angepflanzt. Wir kommen an in Wonsan. Die Stadt gilt in Nordkorea als beliebter Badeort und ist angeblich auch eine der wenigen Gegenden, wo auch Touristen ins Wasser gehen können - zum baden natürlich. Unser Hotel - ein hässlich dunkelgrüner Klotz trägt wenig zur Stimmung bei und auch mit den Badenfreuden ist das nicht so. Dafür hat der Buchladen geöffnet und ich ergattere ein deutsch-koreanisches Wörterbuch. Vor 1984 zwar und zur Hälfte mit propagandistischen Begriffen besetzt, kostet es nur einen Euro - sollte aber für die Weiterreise noch einen erheblichen Spaßfaktor besitzen.
Zum Glück sagt der Reiseleiter, dass wir erst die nächstfolgende Nacht hier verbringen und so reisen wir weiter zu einer Kooperative - einem landwirtschaftlichen Betrieb.Rund fünfzig Häuser bilden das Dorf. Vor den Häusern sehen drei gut in Schuss befindliche Pflüge, wer dran greift merkt- sie wurden gerade frisch undwohl extra für uns gestrichen. Doch das Dorf ist wie ausgestorben. Alle sind auf den Feldern oder sonst wo. Wir sehen den Kollektivraum, eine kleine mittelalterlich anmutende Arztpraxis und ... einen Frisörsalon. Wer setzt sich freiwillig auf den Stuhl. Da ich seit zwei Wochen frisörmäßig überfällig war, wage ich den Haarschnitt. Immerhin auch vermutlich extra für uns war der Raum frisch getüncht. Unter den Augen von ca. 20 Leuten erhalte ich von einer sichtlich nervösen Friseuse einen radikal nordkoreanischen Harrschnitt. Und das noch kostenlos- was will man mehr.
Nachdemallerdings von der Feldarbeit und Viehzucht nicht viel zu sehen war und wir einen Blick in ein nordkoreanisches Bauernhaus werfen durften, machen wir noch einen Abstecher zur Kinderkrippe des Dorfes.Die «Erziehung» beginnt schon mit dem 77. Lebenstag eines Kindes in der staatlichen Kinderkrippe und setzt sich über den Kindergarten und die obligatorische elfjährige Grundschule fort. Wir sehen eine Krabbelstube, wo sich die Kleinen gar nicht satt sehen können und mit meinem frischen Haarschnitt werde ich bei den drei bis fünfjährigen auch gleich zum Spielen eingeladen. Wir machen ein Wettrennen um ein paar Verkehrshütchen. Statistisch bleibt festzuhalten, dass ich nicht gewonnen habe.
Es geht weiter rund 50 Kilometer südlich in Richtung Kuamgangsan Berge an den Sijung-See. Idyllisch gelegen, aber eben auch so abgeschottet, dass man ausser den beiden Damen an Rezeption und Bar niemanden zu Gesicht bekommt. Wir übernachten in einem Sanatorium, vermutlich als einzige Gäste. Symptomatisch: Ich verzichte auf das Abendessen und gehe eine halbe Stunde später zum Rest der Truppe. Auf dem kurzen Weg zwischen den beiden Häusern werde ich von einem aus dem Busch springenden Aufpasser gestoppt: "Where are you going to?". Meine Antwort: "Mal kurz einen Altstadtbummel machen" fand der Kollege dann gar nicht lustig. Zumindest hatte die Stunde Verzögerung einen Grund - nordkoreanische Massagen sind eine ganz neue und vor allem schmerzhafte Erfahrung.
Am Abend haben wir uns mit den beiden Koreanischen Begleitern zum Kartenspielen verabredet. Man bringt uns eine koreanische Variante von Schafs- oder Doppelkopf mit ein paar nicht nachzuvollziehenden Nuancen bei. So ist ein As mit zwei Vieren der Joker u.s.w. Während ich vom Geheimdienst immer mal wieder einen guten Tipp bekomme, ärgert sich der Reiseleiter in feinstem Deutsch darüber, dass diese Tipps wohl zu seinen Lasten gehen. Um 11 Uhr gibt der Generator auf und wir spielen kurzzeitig bei Kerzenlicht. Viel wichtiger aber noch: Im ganzen Hotel gab es nur vier Gläser und wir waren zu fünft. So bekam unser Aufpasser immer die Reste zu trinken. Da es auch auf dem flachen Land kein Wechselgeld gebe, hatten wir mit unseren 5 Euro-Scheinen im Handumdrehen die kompletten Barbestände aufgekauft. Dass diese auch geleert wurden, versteht sich von selbst. Zumindest der von der Staatssicherheit war am nächsten Tag so k.o., dass wir alles Mögliche unbeobachtet unternehmen konnten. Doch dazu morgen mehr.Auf der Autobahn sieht man viele Leute, sie gehen gehen zur Feldarbeit. Hier wird nicht Reis, sondern Mais, teilweise sogar Kartoffeln angepflanzt. Wir kommen an in Wonsan. Die Stadt gilt in Nordkorea als beliebter Badeort und ist angeblich auch eine der wenigen Gegenden, wo auch Touristen ins Wasser gehen können - zum baden natürlich. Unser Hotel - ein hässlich dunkelgrüner Klotz trägt wenig zur Stimmung bei und auch mit den Badenfreuden ist das nicht so. Dafür hat der Buchladen geöffnet und ich ergattere ein deutsch-koreanisches Wörterbuch. Vor 1984 zwar und zur Hälfte mit propagandistischen Begriffen besetzt, kostet es nur einen Euro - sollte aber für die Weiterreise noch einen erheblichen Spaßfaktor besitzen.
Zum Glück sagt der Reiseleiter, dass wir erst die nächstfolgende Nacht hier verbringen und so reisen wir weiter zu einer Kooperative - einem landwirtschaftlichen Betrieb. Rund fünfzig Häuser bilden das Dorf. Vor den Häusern sehen drei gut in Schuss befindliche Pflüge, wer dran greift merkt- sie wurden gerade frisch und wohl extra für uns gestrichen. Doch das Dorf ist wie ausgestorben. Alle sind auf den Feldern oder sonst wo. Wir sehen den Kollektivraum, eine kleine mittelalterlich anmutende Arztpraxis und ... einen Frisörsalon. Wer setzt sich freiwillig auf den Stuhl. Da ich seit zwei Wochen frisörmäßig überfällig war, wage ich den Haarschnitt. Immerhin auch vermutlich extra für uns war der Raum frisch getüncht. Unter den Augen von ca. 20 Leuten erhalte ich von einer sichtlich nervösen Friseuse einen radikal nordkoreanischen Harrschnitt. Und das noch kostenlos- was will man mehr.
Nachdem allerdings von der Feldarbeit und Viehzucht nicht viel zu sehen war und wir einen Blick in ein nordkoreanisches Bauernhaus werfen durften, machen wir noch einen Abstecher zur Kinderkrippe des Dorfes. Die «Erziehung» beginnt schon mit dem 77. Lebenstag eines Kindes in der staatlichen Kinderkrippe und setzt sich über den Kindergarten und die obligatorische elfjährige Grundschule fort. Wir sehen eine Krabbelstube, wo sich die Kleinen gar nicht satt sehen können und mit meinem frischen Haarschnitt werde ich bei den drei bis fünfjährigen auch gleich zum Spielen eingeladen. Wir machen ein Wettrennen um ein paar Verkehrshütchen. Statistisch bleibt festzuhalten, dass ich nicht gewonnen habe.
Es geht weiter rund 50 Kilometer südlich in Richtung Kuamgangsan Berge an den Sijung-See. Idyllisch gelegen, aber eben auch so abgeschottet, dass man ausser den beiden Damen an Rezeption und Bar niemanden zu Gesicht bekommt. Wir übernachten in einem Sanatorium, vermutlich als einzige Gäste. Symptomatisch: Ich verzichte auf das Abendessen und gehe eine halbe Stunde später zum Rest der Truppe. Auf dem kurzen Weg zwischen den beiden Häusern werde ich von einem aus dem Busch springenden Aufpasser gestoppt: "Where are you going to?". Meine Antwort: "Mal kurz einen Altstadtbummel machen" fand der Kollege dann gar nicht lustig. Zumindest hatte die Stunde Verzögerung einen Grund - nordkoreanische Massagen sind eine ganz neue und vor allem schmerzhafte Erfahrung.
Am Abend haben wir uns mit den beiden koreanischen Begleitern zum Kartenspielen verabredet. Man bringt uns eine koreanische Variante von Schafs- oder Doppelkopf mit ein paar nicht nachzuvollziehenden Nuancen bei. So ist ein As mit zwei Vieren der Joker u.s.w. Während ich vom Geheimdienst immer mal wieder einen guten Tipp bekomme, ärgert sich der Reiseleiter in feinstem Deutsch darüber, dass diese Tipps wohl zu seinen Lasten gehen. Um 11 Uhr gibt der Generator auf und wir spielen kurzzeitig bei Kerzenlicht. Viel wichtiger aber noch: Im ganzen Hotel gab es nur vier Gläser und wir waren zu fünft. So bekam unser Aufpasser immer die Reste zu trinken. Da es auch auf dem flachen Land kein Wechselgeld gebe, hatten wir mit unseren 5 Euro-Scheinen im Handumdrehen die kompletten Barbestände aufgekauft. Dass diese auch geleert wurden, versteht sich von selbst. Zumindest der von der Staatssicherheit war am nächsten Tag so k.o., dass wir alles Mögliche unbeobachtet unternehmen konnten. Doch dazu morgen mehr.
P.S. Heute ist DFB-Pokal Finale. Spasseshalber hatte ich am Frühstückstisch erwähnt, dass das Spiel um 3.45 Uhr Ortszeit im Nordkoreansichen Fernsehen übertragen wird. Zwei Leute habens geglaubt und saßen vorm Fernseher. Lg an H1.
| 15. Mai 2010 |