Freitag, 08. Mai,  Moskau



Langsam schwinden die Kraefte - also beschliesse ich, heute mal nicht so viel Programm zu machen und einfach zu schauen, was in der Stadt so los ist. Leider ist man gerade in der Innenstadt durch die Vorbereitungen zum morgigen Feiertag in der Bewegungsfreiheit etwas eingeschraenkt. Also setze ich mich in die Linie 3 und steige am Kreml in Ismailowo aus. Wer schon einmal in Russland war, der wird wissen, dass Moskau eine Stadt mit zwei unterschiedlichen Gesichtern ist. Auf der einen Seite eine der teuersten Staedte Europas, auf der anderen Seite Armut in Plattenbauten. Sehr stark bemerkbar macht sich das, wenn man mal von den Sehenswuerdigkeiten abdriftet und in die wohl versterckter liegenden Gebiete fuehrt.

In Ismailowo befinden sich ein grosser Markt mit allerlei Krimskrams wie Baerenfellmutzen, Sowjetabzeichen, Marioschkas und was wiess ich noch all. Bis auf die 5 Rubel Eintritt und ein leckeres Eis fuer 20 Rubel (40 Cent) lasse ich da nichts weiter. Der Kreml in Ismailowo ist eine historische Blockhausssiedlung, der mehr oder weniger lediglich durch das historisch kostuemierte Personal etwas aufgepeppt wird. Ausser zwei Russen und mir finden sich hier keine Touristen - waere da nicht das angerenzende Wodka Museum. Heir erfaehrt man alles ueber das russische Gebrau vom 15 Jahrhundert bis heute. Interessanterweise auch, dass man mit politischen Entscheidungen nichts bewegen kann. Gorbarschov limitierte den Alkohol auf zwei Flaschen pro Monat und Nase, die Folge war Schwarzbrennerei. Jelzin hob das staatliche Wodkamonopol auf, das Ergebmis: Es wurde gepanscht. Heute wird dem Getraenk wie immer gefroent und in der benachbarten Kneipe gibt es dann erst einmal eine Kostprobe. Nach dem Motto "Probieren geht ueber studieren" ist es bei einer Probe dann auch nicht geblieben.

Zurueck gehts zum Revolutionsplatz, natuerlich it der Metro. Denn da bekommt man Augen wie ein kleines Kind. Die Bahnhoefe, oh mann, reisengross, ueberall Figuren, Marmor, Pracht. Wer das noch nicht gesehen hat, den wird es umhauen. Es gibt da eine Ringbahn, einfach irre....
jede Bahnstation raus, geschaut, fotografiert und in die Bahn zur nächsten.

Mit der Metro gehts dann auch vom Alten Arbat zur Christ-Erloeser-Kathedrale ueber dem Ufer der Moskwa. Dynamit-Josef (Stalin) liess das riesige Gotteshaus in den 30er Jahren sprengen und ein 315 Meter hohes Politikforum mit einer einhundert Meter hohen Leninstatue bauen. Pech nur, dass Statik auf dem sandigen Untergrund nicht so ganz mitmachte. In den 40ern wanderte der bis dahin eingesparte Stahl in die Panzerproduktion. Und nach einer Pgase als Schwimmbad erfolgte der Aufbau 1993. Die goldenen Kuppeln sind berauschen, von innen ist das ganze allerdings nicht so dolle.

Zurueck ins Zentrum bin ich mit dem Bus gefahren. Der ist immerhin teurer als die Metro. Problem: Der Fahrer konnte nicht wechseln und erzaehlt mir irgendetwas von einfach nach hinten zu gehen. Ich duecke an der Sperre herum, doch nichts bewegt sich. Laut schreien, weil ich offensichtlich den Verkehr aufgehalten habe, werde ich des Platzes verwiesen und steige hinten ein. Wenn man kein Russisch kann ....

Danach gehts zu Fuss weiter durch die Stadt, ueber die Twerskaja zum Puschkinplatz mit der Puschkinstatue und dem Verlagshaus der Iswestija. Nett auch der Theaterplatz, wo es mir gelingt, Tickets fuer das Bolschoi zu ergattern. Vor dem Theater unzaehlige Tickettouts, die die billigsten Karten fuers teuerste Geld verhoekern. Zum Glueck kann die Frau an der Kasse zwei Worte Englisch und mit meines zwei Worten Russisch bekomme ich ein Ticket zum Normalpreis. Heute Abend gibt es Spartakus. Vom Revolutionsplatz bis zum Spartakusaufstand -- in Moskau bleibt die revolutionaere Seele immmer am Leben.

Nicht weit von hier ist man im Kitaj Gorod.
Weitlaeufig ist es und die Straßen zum Teil irrsinnig breiten  Kitaj Gorod, dem alten Stadtzentrum Moskaus. Der Spaziergang führt vorbei am Handelspalast der Russländischen Föderation, an der Dreifaltigkeitskirche Nikitniki und schliesslich  zur Uliza Warwarka mit jeder Menge neuen und teueren Geschaeften. Wer gerade mal einen Lamborghini oder Bentley braucht, der kann hier gerne mit dem noetigen Kleingeld vorbeikommen.

Da Spartakus schon um Sieben und mit den vielen Pausen ueber drei Stunden dauert, ist der Tag schnell erzaehlt. Nach dem Aufstand der Roemer gehe ich noch ins Burgomisti (zu Deutsch: Buergermeister). Ja, so heisst das Lokal wirklich. Deutsche Biersorten, weil die russischen alle waren. Der Service jenseits von Gut und Boese, als Bürgermeister wuerde man bei der (Geschaefts)-Politik flugs abgewaehlt.


P.S.:  Den weiteren Abend verbringe ich im Hardrock-Café. In der Pause geben die Kellnerinnen und Kellner eine russische Tanzeinlage. Obama meets Putin. Na denn: Na sdorovje. Lg an H1




08. Mai 2009