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Donnerstag, 07. Mai, Moskau
Leider gab s die letzten Tage einige Verzoegerungen, denn Moskau ist eine Internetfreie Zone. Wireless Lan kann man hier mit der Sturmlaterne suchen. In Sankt Petersburg war es auch nicht besser, aber da konnte man im Hotel noch schnell ein paar Worte schreiben. Im Stadtbild fallen zuerst die vielen großen, eleganten Damen auf, die Schuhe tragen mit waghalsig hohen Absaetzen. Ich falle schon - ohne Absaetze, versteht sich - in der ersten Stunde zweimal in ein groesseren Schlagloch auf dem Buergersteig. Dann faellt der Blick auf die breiten Straßen, die Leningradskaja hat 18 Spuren, da muss man erstmal drueber. Denn diese Hauptstrassen bieten nicht nur Orientierung, mann lernt auch sehr schnell: Eher sollte man eine der Unterfuhrungen nutzen, denn moeglicherweise kommt so schnell keine zweite Chance. Die Schneisen einfach so zu überqueren, ist angesichts von rund drei Millionen Autos, die in wahnwitzigem Tempo fahren, reiner Selbstmord. Aber ich probiere es totzden, die Fuesse machen diese staendigen Unterfuehrungen nicht mehr so mit. Als ich die zehnspurige Strasse vor dem Kreml einfach so ueberqueren will, war ich schon fast drueber, wenn da - sehr versteckt - nicht wieder einer von der Miliz da rum gestanden haette. Der pfiff mich zurueck und hielt mir dann einen Vortrag, den ich sowieso nicht versand. Meine dritte Begebning mit der Miliz seit letyten Samstag ...
Doch das ist auch schon das einzige Problem, denn Moskau wirkt vertraulich, vor 9 Jahren war ich schon mal hier und von dem was ich heute gesehen habe hat sich nicht viel geaendert. Natuelich auch nicht die buerokratischen Kapriolen und die unverstaendlichen Speisekarten. Soviel denn auch schon zum Hotel. Zum Fruehstueck komme ich hier bestimmt nicht mehr hin und mangels ausreichender Papiere kam ich beim Check in auch nur sehr schwer ins Koerbchen.
Ganz anders in der Fußgängerzone Alter Arbat oder der Twerskaja reihen sich moderne Geschaefte aneinander, darunter viele westliche Marken. Die Leute hier sitzen in Coffee-Shops wie dem "Starbucks" oder in lokalen Ketten wie dem "Kofe-Haus" etabliert. Der Arbat ist die einzige Fussgaengerzone in Russland, also kan man in unzaeligen Laeden und Lokalen herumstoebern, waehrend man in den anderen Moskauer Straßenzuegen froh sein kann, ueberhaupt ein Lokal zu finden.
Voeher war ich noch in der Tretjakov-Galerie, wo man die weltweit bedeutenste Sammlung russischer Malerei vom Mittelalter bis zur Moderne bestaunen kann. Die Russen malen sehr detailliert, manchmal schaerfer als meine Digicam hergibt. Sehr viel vom russischer Geschichte und noch interesssanter von russischem Leben in der Vergangenheit ist zu erkennen. Viel beachtet auch die Ikonen. Immer wieder begebnet man bildlich Iwan dem Schrecklichen, von dem sich schaurige Geschichten erzaehlen lassen. Man stelle sich vor, ein Meisterwerk ist vollbracht und der Auftraggeber fragt: “Kannst Du so etwas Schoenes noch einmal bauen?” Bitte dann nicht die Antwort “ja, klar” waehlen. Der Baumeister jedenfalls hat seine unueberlegte Antwort bitterboese bereut. Denn weil Iwan verhindern wollte, dass noch eine weitere derartige Kathedrale gebaut werden konnte, liess er ihm die Augen ausstechen.
Die Kathedrale, die gemeint ist, ist die sagenhafte Basilius Kirchen, die mit den bunten Zwiebeltuermen. Leider findet am Samstag die Feierlichkeiten zum Weltkriegsende statt. Einserseits erstrahlt die Stadt in einem Meer von bunten Faehnchen, andererseits ist der rote Platz hermetisch abgeriegelt, also nur ein kurzes Foto und es morgen nochmal probieren. Eine amerikanische Touristen, wollte durch und flog hochkant hinaus.
Von dem Roten Platz fliegen könnte hingegen bald Lenin. Noch befindet sich der Leichnam des Herrn Revolutionaers im Lenin-Mausoleum. Er soll wohl demnaecht beerdigt werden. Wies denn auch sei, vor 9 Jahren war der Herr auf Wanderschaft, vielleicht ist er ja morgen mal zu Hause.
| 07. Mai 2009 |