Dienstag, 05. Mai,  St. Petersburg



Heute war der erste Tag ohne besondere Vorkommnisse, zumindest wenn man dieZeit bis zum Abend beruecksichtigt. Nachdem das Wetter die Tage ueber nichts zu wuenschen uebrig gelassen hat (ueber 20 Grad sind fuer eine Stadt am Polarkreis schon ausserordentlich und die Sankt Petersburger kommen ganz schoen ins Schwitzen) ist es heute ziemlich kuehl.

Also nichts wie ab ins Museum, mal ein bisschen staunen, welche Kunstschaetze hier so verborgen sind. Allersings mache ich den ersten Stop nicht bei den russischen historischen Reichtuemern, sondern bei denen die das alles erstmal abgeschafft haben - Lenin und seinen Erben. Am Kirskowski-Brandt (wo der Name wohl herkommt) Palais wehen rote Fahnen - es ist das Revolutionsmuseum. Sankt Petersburg ist die Stat der Zaren, Leningrad war die Stadt der Oktoberrevolution.

Sehr interessant, ein guter Leitfaden, wie man einen Umstrurz herbei fuehrt mit authentischem Bild und Tonmaterial. Daneben wird die Zeit der Sowjetunion ausfuehrlich und propagandistisch dargestellt. Nicht schlecht, denn es gibt die Athmosphare wieder, in der die Leute entweder lebten oder von den Machthabern berieselt wurden. Waerend man nich noch etwas in die Breschnew Aera reinversetzen konnte, brachte die Zeit vor 1960 viel informatives Neues zum Vorschein.
Auch tagten hier die Bolschewiki im Oktober 1917, die Raeume sind authentisch nachgestellt. Uralte Telefone und Schreibmaschinen kann man bestaunen, ja der Revolutionaer von heute hats da leichter. Ein Fernzuender und die Bombe schlaegt ein.

Mittagspause in der Aula des Gebauedes - auch hier wie sxhon gestern tragen junge Kuenstler ihre gesanglichen und intrumentalen Qualitaeten vor. Toll, toll, toll ....

Auf dem Weg zum Winterpalast ueberquere ich nochmals die Nwea, das Panorama hier ist wirklich begeisternd. Am Palast angekommen sind die Voerberetungen fuer die Feierlichkwiten zum 9. Mai. In vollem gange. Das Militaer probt mit Pauken und Trompeten, Raketentraegern und sonstigen Nettigkeiten. 9. Mai - das war doch was ? Ja, die Russen feiern das Ende des grossen vaterlaendischen Krieges, nicht mehr so dolle wie zu Sowjetzeiten, aber dennoch erstrahlt die stadt in bunten, eigentlich ueberwiegend roten Fahnen, wo auch mal ein Haemmerchen und ein Sichelchen zu finden ist. Zwar war das Kriegende am 8. Mai, aber die Gegenseite unterschrieb ihre Kapitulation so spaet, dass es in Moskau schon nach Mitternacht war, bisdie Tinte trocknete.

Als Zar benoetigt man mehrere Palaeste, damits nicht ganz so langweilig wird. Zumindest fuer jede Jahreszeit eine. Also geht es zum Winterpalast, ein riesiges, gruen weisses Gebaude aus der Zeit Katharina der Grossen und damit ein Paradebeispiel fuer den russischen Barock. Heute ist hier ein Kustmusieum erster Katagorie untergrabracht, dass sich mit den vatikanischen Museen, dem Louvre oder dem New Yorker Metropolitan auf eine Stufe stellen kann.

Der Bau ist rechteckig mit großem Innenhof, jede Seite des Palastes ist anders geschmueckt. Drinnen findet man eine unvorstellbar grosse Sammlung. Auf die Eremitage sollte man sich gut vorbereiten, was ich natuerlich nicht tat. Relativ schnell habe ich das Erdgeschoss mit den antiken Buesten und sonstigem Porzellan hinter mir gelassen, und mich direkt von der bildlichen Kunst ueberfluten lassen.

So  beschränke ich mich auf die Kunst Westeuropas mit Exemplaren von allem was Rang und Namen hat,  wobei mein Blick aus den vielen Fenstern mit immer wieder die vielen Wasserstrassen zeigt, klein Venedig eben.

Entlang der Fontanka entlang glaenzen wieder die goldenen Kuppelnm der Isaaks-Kathedrale im Sonnenlicht. Jugendliche spielen im Park bei der Kirche Fußball. Hier ist was los, viele Menschen sind unterwegs und haben einen Becher Bier in der Hand. Ich mache es sportlich und klettere erstmal die 300 Stufen hinauf zu den Kollonaden der Kathedrale hinauf, zumal mir unten ein atemberaubende Blick auf die Stadt versprochen wurde. Atemberaubend war der Blick wirklich, ich hatte naemlich keinen mehr. Dennoch ein paar tolle Fotos, die aber von den vielen Kraenen im unmittelbarer Umgebung etwas verunziert wurden.

Unten erhebt sich das Denkmal Peters des Großen. Brautpaare lassen sich hier fotografieren und trinken Sekt. Bei der Gelegenheit gehe ich zu einem der vielen Biergaertchen und bestelle mir ein Baltika. Zeit um ein Paar Mails zu schreiben und mir erneute Ermahnungen zu Gemuete zu fuehren, ja die Finger von den russischen Haeschen, sprich Schoenheiten zu lassen.

Also beherzige ich das gelesene und she statt in eine russische Kneipe in einen englischen Pub mit ungeahnten Folgen, aber dazu mehr morgen.

P.S. Auf dem Newskij Prospekt fragte mich eine Russin am Montag abend: Do you want to accompany me ? Im Spass sagte ich: Jetzt um 12 Uhr nachts, so was fragt man abends um acht. Ob mans glaubt oder nicht, am Folgetag um 8 stand die Dame wieder da und lief mir ueber den weg. Na denn: Na sdorowje. Lg an H1






05. Mai 2009