Sonntag, 03. Mai,  St. Petersburg



Mit den Zweiten sieht man besser, dieser Satz gilt nicht nur fuer das ZDF, sondern auch fuer Sankt Petersburg. Bei naeherem Hinsehen oder laengerem Aufenthalt wirkt die Stadt gemuetlicher (interessant ist sie ja allemal) als beim ersten Eindruck. Da der Russe allerdings auch generell die Nacht zum Tage macht und diese Verahltensweise bei mir nicht gerade auf Unverstaendnis trifft, heisst es morgens allerdings bisher immer n ur eins: Ausschlafen.

Doch bevor wir uns dem Geschhen in der Stadt widmen, noch ein Abenteuer, das man sicherlich einmal erlebt haben sollte. Den Kauf einer Fahrkarte in einem russischen Bahnhof, denn ich muss ja noch nach Moskau -- und das per Bahn. Voraussetzung ist, man hat einen gueltigen Reisepass, den man vorzeigen kann und man weiss von welchem der vielen Kopfbahnhoefe der Zug abfaehrt. Waehrend letzteres durch die Namen der Bahnhoefe noch einigermassen abschaetzbar ist, ist ersteres ein kleines Problem - bekanntlich hat sich mein Reisepass ja gestern selbstaendig gemacht und diens wohl jetzt irgendwelchen Hobbytaliban der Einreise nach Afghanistan.

Der Fahrkartenkauf ist ein Alptraum, keine Automaten nujr unzaehlige Scahlter, man wird quasi von Pontius zu Pilatus geschickt. Als ich am angeblich zustaendigen Schalter 5 ankomme, und ich mein selbst geschriebenes kyrillisches Zettelchen zwecks Fahrkartenkauf vorzeige sehe ich nur eine Handbewegung: Mit wird meinerseits ein Zettel vor die Nase gehalten mit der Aufschrift Mittagspause. Nun werden hier offensichtlich die Pausen puenktlch bekommen, aber keineswegs punktlich beendet. Nach 75 kommt die Dame wieder und erklaert, sie verkaufe alles nur keine Tickets nach Moskau. Also zum naechsten Scahlter und siehe da, esklappt. Als die Verkaeuferin dann allerdings nach dem Reisepass zwecks Dokumentation fragt, muss ich in die Trickkiste greifen: Das einzige Dokument, was ich versehentlich dabei hatte, war der VDK-Ausweis. Ohne bild und ohne alles, aber das bisschen schwarz rot gold auf der Kaerte muss wunder gewirkt haben, das Plastikkaertchen wurde annerkannt. Sowas gab es bestimmt fuerher nur im Bahnof von Nidda, Insider wissen, as ich damit meine.

Zurueck zur Stadt - den dort gibt es vor allem eins: Kultur. Dass St. Petersburg Maßstaebe für Russland setzte, wird mir beim Anblick der unvorstellbaren Kunstschätze allerorts vor Augen geführt.  Das historische Zentrum Sankt Petersburgs ist das auf einer Insel gelegene Gebiet rund um die Peter-und-Paul-Festung. Dort findet man ein kleines nettes  Museum, welches ueber die Zarenzeit berichtet. Peter und Paul sind auch mitnichten die zwei bekannteren Apostel, sondrn waren sussische Herrscher, die eine Festung mitten in die Newa gebaut hatten. Dort sind in einer goldverzierten Kirchen auch alle Zaren und der beruehmt beruechtigte Rasputin begraben. Warum die Insel Haseninsel heisst, ist mit allerdings schleierhaft. Haeschen habe ich dort keine gesehen. Wer zudem die Hobbies der Reichen der Reichen erleben moechte, dem blaest der Staub gleich mehrmals ins Gesicht, direkt am Strand ist ein Landeplatz fuer Helikopter, zudem kommen minuetlich Fallschirmspringer von oben Herab - Vorsicht Fallschirmschlag. 

Außerdem geniesst man von der Burg den fantastischsten Blick über die Stadt.Und irgendwann sehe ich bereits von weitem die riesige goldene Kuppel der Isaakskathedrale, der groessten Kirche Russlands. Innen lässt die Aura der monumentalen Kathedrale mit all dem Goldprunk und den mehr als 150 Mosaikbildern ihre Gäste ganz klein erscheinen, das ganze mit den vielen historischen Gebaeuden wir der Adimiralitaet, der Boerse und vielen anderen Sehenswuerdigkeiten ist sagenhaft.

Weiter gehts mit dem Bus auf die Perograder Seite, eine weitere von den Auslaeufern der Newa umspuelte Insel. Die Busfahrten gefallen mir. Das Fahrgeld wird von hinten nach vorn durchgereicht und manchmal erhält man auf umgekehrtem Weg auch ein Ticket zurück. Kontrollen gibt es nicht, allerdings hat der Fahren auch  jemanden rausgeworfen, der nicht bezahlen wollte oder konnte.

Es gibt Cafe's, Bistros und Strassenbuden, die die leckeren „Bliny“, das sind russische Omeletten mit verschiedensten Füllungen anbieten. Lecker, lecker und danach gehts zur Entspannung ins Bolschoy Gostiny Dvor.

P.S. Rusisch ist einfach, viel Begriffe kommen einem irgendwei bekannt vor: Poschta, Antiqvariat oder Salat Bar. Das Spassigste ist aber der Marschrutki, ein Sammeltaxi. Vermutlich aus dem zweiten Weltkrieg, aber ob es da Sammeltaxis gab ? Lg an H1.




03. Mai 2009